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Norderney: Kurdirektor klagt an – so dramatisch steht es um die Insel

Norderney – Strände, Meer und Erholung

So fantastisch lässt es sich auf der Insel entspannen

Ein Kampfbegriff, der Norderney mittlerweile anhaftet, lautet „Versyltung“. Beschreiben soll der wenig positiv gemeinte Ausdruck gleich mehrere Probleme – Preis-Boom, Einwohner-Verdrängung und Laden-Sterben.

Auf Sylt werden gar Geisterstädte gefürchtet, Sankt Peter-Ording, Fehmarn und viele mehr riefen bereits um Hilfe (>>> hier mehr). Auch Norderney sieht sich in einer misslichen Lage. Kurdirektor Wilhelm Loth berichtete MOIN.DE von einem wahren Drama – und welche Insel-Besucher ihn richtig ärgern.

Norderney will nicht Sylt sein

So wie Sylt sein, das wollen Norderney und auch Wilhelm Loth nicht. Bereits in den 80er-Jahren habe die das Staatsbad „weitsichtig“ Wohnungen gebaut. „Sozialverträglich“ will beispielsweise die Wohnungsbaugesellschaft Norderney (WGN) bauen. Seit 1987 schreibt sie sich auf die Fahne, Wohnraum für die Menschen auf Norderney zu sichern und zu schaffen.


Das ist Norderney:

  • Norderney ist eine der ostfriesischen Inseln und liegt in der Nordsee
  • Es ist nach Borkum die zweitgrößte Insel dieser Inselgruppe
  • Die Insel hat eine Fläche von 26,29 Quadratkilometern
  • Norderney ist eine Düneninsel, die mit der Zeit aus von der Meeresströmung angespültem Sand gewachsen ist

Loth unterstützt das, denn er fürchtet einen „Ausverkauf“ der Insel. Besonders bedrückt ihn wie Investoren, die häufig aus dem Ausland kommen, mit dem Geist der Insel umgehen. Die hätten „keine Beziehung mehr“ zu Norderney, da wären auch mal Erben in zweiter oder dritter Generation unter Immobilienbesitzern, aber denen fehle oft auch die Verbindung zum Gemeinwohl, sagt er.

Wohnungen Norderney
Auf Norderney wird gebaut – und das ist auch dringend nötig. (Archiv) Foto: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

„Die schöpfen ab, aber beteiligen sich nicht“, sagt er. „Das kann für die Insel nicht gut sein“. Die aktuellen Preise für Wohnraum auf Norderney hält er schlicht für indiskutabel. „Das kann sich ein Normalsterblicher nicht leisten.“

Der Inselrat diskutiere mit Hochdruck, wie man Abhilfe schaffen könne, verrät er. Die Gemeinde hat kürzlich einen Camping-Platz gekauft, um Baugrund für günstige Wohnungen in der Hand zu haben.


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Dazu will Wilhelm Loth mit seinen Mitstreitern zum Nachdenken anregen. „Für viele [Hausbesitzer, Investoren, die Redaktion] ist Norderney ein großer gedeckter Tisch an den sie sich setzen – doch sie bringen nie etwas mit“, sagt er.

Ein Bild, das sich laut Loth immer breiter macht. Es sei in letzter Konsequenz immer schwieriger, das Gemeindeleben so aufrechtzuerhalten, meint er.

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Das Klima des „Denkt doch mal nach“, wie Loth es nennt, will die Insel auch durch Erbschafts-Workshops vorantreiben. Viele Menschen wüssten gar nicht, was sie mit einem zu vererbenden Haus oder einer Wohnung alles machen könnten. Es gibt beispielsweise Klauseln, die einen Verkauf durch Enkel verhindern könnten – das soll innerhalb der Workshops klargemacht werden.

Dazu sollen Bebauungspläne helfen, die Lage zu entspannen. Immerhin habe sich die Einwohnerzahl im letzten Jahr erhöht, verrät Loth. „Wir tun das, was möglich ist“. Aber er würde gerne noch viel mehr machen.