Nordsee: Millionen wollten diesen Riesen-Bau nicht haben – jetzt wird er nach 35 Jahren dem Erdboden gleichgemacht

Wie entstehen eigentlich Ebbe und Flut?

Wie entstehen eigentlich Ebbe und Flut?

Ebbe und Flut ist für Küstenbewohner nichts Ungewöhnliches. Doch wie entsteht dieses Naturphänomen? Wir erklären es Dir in diesem Video.

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In Brokdorf bei der Nordsee protestierten über viel Jahre immer wieder Millionen von Menschen gegen einen Mega-Bau – nun ist endlich Schluss, für immer.

Gemeint ist das Kernkraftwerk in Brokdorf bei der Nordsee. Dieses geht am Silvesterabend endgültig vom Netz.

Nordsee: Das Atomkraftwerk macht Schluss

Wenige Tage bevor Kernkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) endgültig abgeschaltet wird, fordert die Naturschutzorganisation BUND von der Bundesregierung, den vollständigen Atomausstieg zügig umzusetzen.

Sie müsse jetzt die naturverträgliche Energiewende weiter vorantreiben und gleichzeitig alle noch laufenden Atomanlagen in Deutschland abschalten, teilte der BUND Schleswig-Holstein mit. Atomausstieg und Klimaschutz seien kein Widerspruch.

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Neben Brokdorf werden am 31. Dezember 2021 mit Grohnde und Gundremmingen C zwei weitere Atom-Meiler in Deutschland abgeschaltet. Übrig bleiben dann nur noch drei – bis Ende 2022 sollen auch dort für immer die Lichter ausgehen.

Die Bundesregierung sollte sich dem BUND zufolge auch auf internationaler Ebene dafür einsetzen, dass Atomkraft nicht mehr gefördert und beendet wird. Die EU-Kommission berät derzeit darüber, ob Atomenergie künftig als „nachhaltige“ Investition eingestuft werden kann – also ob sie eine Art grünes Label bekommen soll.

Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 nahm die damalige Regierung eine wenige Monate zuvor verabschiedete Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke wieder zurück und brachte den Atomausstieg auf den Weg.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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Die acht ältesten Reaktoren in Deutschland wurden umgehend abgeschaltet, die noch verbleibenden neun sollten bis 2022 schrittweise folgen. Für jedes AKW wurde per Gesetz ein Termin festgelegt, an dem der Leistungsbetrieb spätestens enden muss. 2015, 2017 und 2019 gingen schon einzelne Kraftwerke vom Netz.

Nordsee: Was Ist das Besondere an Brokdorf?

Der Bau des Atomkraftwerks am Elbufer in Schleswig-Holstein war zu Zeiten der Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung in Westdeutschland ein Kristallisationspunkt des Protests – vergleichbar nur mit dem Widerstand gegen den Bau eines sogenannten Nuklearen Entsorgungszentrums im niedersächsischen Gorleben und dem Bau einer Uran-Wiederaufarbeitungsanlage im bayerischen Wackersdorf.

In Brokdorf hatten Energiekonzerne seit Anfang der 1970er Jahre den Bau eines Atomkraftwerks geplant. Die Bauarbeiten in der kleinen Gemeinde nahe Brunsbüttel führten erstmals 1976 zu einer größeren Demonstration, bei der es auch zu heftigen Zusammenstößen zwischen militanten Teilnehmern und der Polizei kam.

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Aufgrund von Gerichtsentscheidungen ruhten die Arbeiten zwischen 1977 und 1981, wurden dann jedoch wieder aufgenommen. Atomkraftgegner mobilisieren deshalb für den 28. Februar 1981 zu einer Demonstration, die von den Behörden verboten wurde.

Die Polizei errichtete Sperren, dennoch gelangten Zehntausende zur Baustelle. Mit geschätzten 100.000 Teilnehmern galt sie damals als bislang größte Anti-Atom-Demonstration in der Bundesrepublik.

In der politisch stark aufgeheizten Atmosphäre jener Zeit wurden Konfrontationen wie diese oft zu „Schlachten“ stilisiert, das Gewaltpotenzial war hoch. Auch in Brokdorf kam es zu extrem heftigen Auseinandersetzungen.

Nordsee: Der Reaktor erlebt seinen letzten Silvesterabend

Militante Atomkraftgegner setzten Zwillen und Brandsätze ein, die Polizei reagierte mit Reizgas, Wasserwerfern und tief fliegenden Hubschraubern. Die Debatten um die Einsätze, um Polizeigewalt auch gegen friedliche Demonstranten sowie die Rechtsmäßigkeit von Demonstrationsbeschränkungen dauerten Jahre.

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Das Atomkraftwerk in Brokdorf ging im Oktober 1986 ans Netz und gehörte laut Betreiber Preussen Elektra zu den leistungsstärksten der Welt. Nach Firmenangaben wird der Reaktor am Silvesterabend heruntergefahren und kurz vor dem Jahreswechsel nach etwa 35 Jahren endgültig vom Stromnetz getrennt.

Auch in Grohnde und in Gundremmingen C wird entsprechend vorgegangen. Alle Abläufe sind genau geplant, ein AKW lässt sich nicht per Knopfdruck stoppen.

Auch danach bleiben die Reaktoren streng genommen noch weiter in Betrieb, die radioaktiven Zerfallsprozesse im Inneren laufen weiter. Die sogenannte Nachbetriebsphase und der nachfolgende allmähliche Abriss der Anlagen ziehen sich über viele Jahre.

Die Emotionen, die insbesondere das Ende von Brokdorf begleiten, könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Kraftwerksleiter Uwe Jorden in einer Mitteilung von großer Traurigkeit sprach und berichtete, die Mitarbeiter hätten die Versorgung des Landes mit Energie „mit großer Leidenschaft“ als ihre Aufgabe angesehen, bezeichnete die Anti-Atomkraft-Organisation „Ausgestrahlt“ das Ende von Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C als „Festtag“. (afp/dpa/mae)