Ostsee: Heimisches Tier erhält eine Auszeichnung – doch das ist kein Anlass zur Freude

Einem Meeresbewohner der Ostsee geht es sehr schlecht (Symbolbild).
Einem Meeresbewohner der Ostsee geht es sehr schlecht (Symbolbild).
Foto: imago stock&people

Vielen Fischen in der Ostsee geht es immer schlechter (MOIN.DE berichtete). Bei einem Meeresbewohner ist die Lage besonders kritisch.

Der Hering, einer der am weitesten verbreiteten Fische, hat in der Ostsee mit großen Problemen zu kämpfen. Um auf seine missliche Lage aufmerksam zu machen, hat der Fisch eine Auszeichnung erhalten.

Ostsee: Der „Fisch des Jahres“

Die Rede ist vom Hering, der kürzlich zum „Fisch des Jahres“ gewählt wurde. Wenn eine Art diese Auszeichnung erhält, heißt das meist: Es geht ihr nicht besonders gut.

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Und tatsächlich geht es einigen Beständen des Herings ziemlich schlecht! Vor allem jenen in der westlichen Ostsee. Früher nannten die Leute den Hering das „Silber der Meere“.

Der Name hat zum einen mit dem Aussehen der Tiere zu tun: Ihr Rücken leuchtet im Wasser in allen Farben. Der Bauch ist weiß und die Seiten glänzen silbrig.

Hering verhalf Ostsee-Küste zu Reichtum

Zum anderen waren die Fische eine wichtige Handelsware. Im Mittelalter verhalfen sie den Hansestädten an der Nordsee und der Ostsee zu enormem Reichtum. Die Hanse war ein mächtiges Bündnis von Kaufleuten.

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Das ist die Ostsee:

  • auch Baltisches Meer genannt
  • die Ostsee ist das zweitgrößte Brackwassermeer der Erde
  • die Fläche beträgt 412.500 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 459 Meter tief

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Auch heute noch sind Heringe eine wichtige Ware. Das Problem ist nur: Dieser Fisch wird stark befischt, teilweise viel zu stark. Das macht den Beständen auf Dauer zu schaffen.

Bestand in der Ostsee nimmt ab

Vor allem dem Bestand in der westlichen Ostsee steht es sehr schlecht um den Meeresbewohner. Dort nimmt die Zahl der Heringe seit einigen Jahren immer stärker ab.

Es gibt immer weniger Nachwuchs. Das stellte die Forscher lange Zeit vor ein Rätsel. Denn allein die Fischerei konnte in diesem Fall nicht schuld sein.

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Die Forscher fanden heraus, dass es mit der Wassertemperatur zu tun hat. Diese ist nämlich an vielen Stellen inzwischen zu hoch, das Wasser ist also zu warm.

Klare Forderung für die Ostsee

„Dadurch bekommen die Fische auf ihrer Wanderung ein falsches Signal und beginnen zu früh mit dem Laichen“, erklärt Christopher Zimmermann. Er forscht unter anderem über die Fische und die Fischerei in der Ostsee.

Durch das frühe Laichen schlüpfen die kleinen Fische zu früh und finden nicht ausreichend Nahrung. Viele verhungern. Um den Hering schnell zu retten, gibt es eigentlich nur ein Mittel.

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„Die Fangquote muss drastisch gesenkt werden“, sagt Christopher Zimmermann. Das bedeutet, die Fischer dürfen nicht mehr so viele Fische aus der Ostsee ziehen. Dann könnte sich der Bestand wahrscheinlich erholen. Aber das kann viele Jahre dauern. (dpa/lh)