Ostsee: Hier sollen günstige Wohnungen entstehen, aber die Anwohner sind erzürnt

In Timmendorf soll ein neuer Wohnkomplex entstehen.
In Timmendorf soll ein neuer Wohnkomplex entstehen.
Foto: IMAGO / Susanne Hübner

Anwohner und Urlauber in Timmendorfer Strand an der Ostsee schätzen den idyllischen Ferienort mit seinen kleinen Häuschen und der Strandpromenade.

Bis auf das Maritim-Hotel am Ostsee-Strand ragt hier kein Gebäude weit in die Höhe. Im Ortskern gibt es viele Einfamilien- und Ferienhäuser mit hübschen Gärten und auch denkmalgeschützte Reetdachthäuser. Doch was jetzt in deren unmittelbarer Nähe entstehen soll, sorgt bei einigen Anwohnern für Ärger.

Ostsee: Timmendorf plant 114 Neubauwohnungen

Bereits im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Pläne für ein Bauprojekt vorgestellt. Der „Wohncampus Vogelsang“ soll mitten in Klein Timmendorf entstehen und künftig 114 Wohnungen, teils zu erschwinglichen Preisen anbieten. Die Mietpreise sollen dabei zwischen 500 und 1000 Euro betragen. Damit böten sie vor allem den vielen Saison-Kräften eine mögliche und bezahlbare Unterkunft. Insgesamt vier Blöcke mit je vier Etagen plus Dachgeschoss sind geplant. Ein Entwurf, der längst nicht allen Anwohnern gefällt.

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„Ich habe überhaupt nichts gegen bezahlbaren Wohnraum, aber ich finde nicht, dass man damit einfach alle anderen Gegenargumente totschlägt“, sagt Georg von Gayl gegenüber MOIN.DE. Seine Familie besitzt ein historisches Reetdachhaus unter Denkmalschutz, nur knapp 50 Meter von dem Baugrundstück entfernt.

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Das ist die Ostsee:

  • auch Baltisches Meer genannt
  • die Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Erde
  • die Fläche beträgt 412.500 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 459 Meter tief

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„Mich ärgert einfach, dass unter dem Vorwand bezahlbaren Wohnungen zu bauen, was per se lobenswert ist, möglichst viele Wohnungen auf kleinem Raum untergebracht werden sollen. Mit einer mehrgeschossigen Bauweise in einer Verdichtung am Ortsrand, die überhaupt nicht der Dorfstruktur von Klein Timmendorf entspricht“, sagt von Gayl. Der Landschaftsarchitekt kritisiert, dass die geplante Anlage sich nicht in sein dörfliches Umfeld einfügen würde.

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Ostsee: Bürger erheben Widerspruch gegen Bebauungsplan-Verfahren

„Es gibt den sogenannten Denkmal-Umfeldschutz, also dass die Umgebung von denkmalgeschützten Häusern auch zu schützen ist. Und Sie können daneben nicht einfach ein viergeschossiges Haus plus Dach hinwälzen. Das sind ja riesige Dinger. Dagegen habe ich was“, so von Gayl.

Um das Bebauungsplan-Verfahren genauer unter die Lupe zu nehmen und mögliche Einwände einzubringen, hat von Gayl eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt. Die Anwälte haben dabei mehrere Verfahrensfehler entdeckt. Daraufhin hat die Gemeinde das Verfahren noch einmal neu ausgelegt. Von Gayl und weitere Bürger haben anschließend Stellung dazu bezogen und Widerspruch erhoben. Bisher hat die Gemeinde darauf noch nicht reagiert.

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Ostsee: Anwohner fürchten Lärm und volle Straßen

Mehrere Anwohner aus Timmendorf stimmen von Gayl in seinen Bestrebungen zu. „Ich hab Solidaritätsanrufe und Mails bekommen, von Leuten die ich gar nicht kannte. Die haben gesagt: ‚Super, dass Sie da mal was machen und nicht alles nur durchgewunken wird‘“.

Auch das „Bürgerbündnis Neue Perspektiven“ sieht den geplanten Bau kritisch. Die Änderung des Bebauungsplans würde „massive Auswirkungen auf den früheren Ortsteil Klein Timmendorf haben“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Neben der Kritik an dem Erscheinungsbild der vier Wohnblocks fürchten die Anwohner unter anderem eine mögliche Lärmbelastung. „Dadurch, dass mehr Menschen dort angesiedelt werden, steigt natürlich auch die Lärmbelastung – vor allem durch Verkehrslärm“, so von Gayl. Dies sei im Bebauungsplan-Verfahren nicht kritisch untersucht worden.

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„Es gibt Experten, die sich gegenüber der Gemeinde geäußert haben, dass schon durch drei Dezibel mehr eine erhöhte Lärmbelastung auf die Anwohner zukommt.“ Zudem gebe es nur für die Hälfte der Wohnungen einen Auto-Stellplatz. Die Anwohner fürchten daher ein Parkproblem, da im Vogelsang nicht ausreichend Fläche zur Verfügung stünde.

„Die wichtigen Themen einer Mindestanzahl von Stellplätzen auf den privaten Grundstücken, eine ausreichend dimensionierte Oberflächenentwässerung und die Herstellung verkehrssicherer Fußwege werden im Rahmen des Planverfahrens aber nicht in dem erforderlichen Umfang gewürdigt“, heißt es zudem seitens des Bürgerbündnisses.

Von Gayl will nun abwarten, inwiefern die Gemeinde auf die Einwände reagiert. Wichtig ist ihm zu betonen, dass es generell nichts gegen die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum habe. Dennoch müsse das Erscheinungsbild zum jetzigen Ortskern passen. „Wir wollen ja nicht alles als Freilichtmuseum erhalten, aber man muss doch die Maßstäblichkeit behalten.“