Ostsee-Anwohner machen sich große Sorgen: „Die Leute sind beunruhigt“

Auf der Ostsee-Insel Hiddensee soll ein neuer Hafen entstehen.
Auf der Ostsee-Insel Hiddensee soll ein neuer Hafen entstehen.
Foto: imago images/POP-EYE

Wer die Ruhe an der Ostsee-Küste sucht, der war bisher auf der Insel Hiddensee gut aufgehoben. Eine Straße überquert das kleine Eiland, Autos sind verboten und nur rund 900 Menschen wohnen hier.

Doch was nun an dem Hafen Vitte auf der Ostsee-Insel nun geplant ist, löst bei einigen Anwohnern große Sorge aus. Die Pläne der Gemeinde wirken auf sie überdimensioniert, die Angst vor Massentourismus wächst.

Ostsee: Segelhafen oder Industrieanlage?

Anfang des Jahres wurde das Konzept für den Ausbau am Hafen Vitte bekannt. Viele Hidenseer haben darüber erst im Internet erfahren, aktiv informiert wurden sie nicht.

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Dabei sehen die aktuellen Pläne große Veränderungen auf der Insel vor. Der Hafen, der derzeit 150 Liegeplätze umfasst, soll um 135 Plätze erweitert werden. Neben einer Meerwasserentsalzungsanlage mit einem zwölf Meter hohem Turm sind eine Photovoltaikanlage, eine Konzertmuschel, eine Mehrzweckhalle und eine beleuchtete Steinmole geplant.

„Einige Hiddenseer haben starke Bedenken, da das Ganze in ihrer Vorstellung aussieht wie eine Industrieanlage“, sagt Irmgard Blindow, Sprecherin der Bürgerinitiative Hafen Vitte. Sie und andere Inselbewohner kritisieren vor allem die die mangelnde Transparenz der Gemeinde. Deshalb haben sie sich in einer Initiative zusammengeschlossen. „Obwohl wir ständig nachgefragt haben, kam keine einzige Antwort darauf. Die Leute sind beunruhigt. Und man ist natürlich umso beunruhigter, je weniger Informationen es gibt“, so Blindow im Gespräch mit MOIN.DE.

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Das ist die Ostsee:

  • auch Baltisches Meer genannt
  • die Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Erde
  • die Fläche beträgt 412.500 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 459 Meter tief

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Ostsee: Hafensanierung „unbedingt notwendig“

Grundsätzlich hätten sie keine Einwände gegen eine Sanierung des Hafens. Diese sei „unbedingt notwendig“, da die Anlagen marode seien.

Doch die Befürchtung vor einer starken Zunahme des Sommertourismus sind gegenwärtig. „Hiddensee ist für Touristen sehr attraktiv und im Sommer auch sehr überlaufen.“ Derzeit gebe es eine Bettenkapazität von 3000 bis 4000, dazu kämen täglich noch einmal mehrere tausend Tagestouristen, so Blindow. Wie überall an der Ostsee, macht sich während der Corona-Pandemie zusätzlich ein erhöhtes Besucheraufkommen bemerkbar.

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10 Tipps für Urlaub an der Ostsee:

  • Rügen
  • Bornholm
  • Usedom
  • Hiddensee
  • Fischland-Darß-Zingst
  • Poel
  • Heiligendamm
  • Timmendorfer Strand
  • Fehmarn
  • Hohwachter Bucht

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Dennoch ist begrüßt man auf der Insel gerne Gäste: „Die Hiddenseer befürworten den Tourismus, weil fast alle davon leben. Die Frage ist nur: Wie? Die Bedenken sind, dass durch so einen Seglerhafen in der Hauptsaison noch mehr Urlauber kommen und dass diejenigen, die hierherkommen um die Ruhe zu genießen, wegbleiben.“ Ein Hafen in der jetzt geplanten Form würde nicht zu einer gewünschten Saisonverlängerung führen, fürchtet die Bürgerinitiative. „Das kann man nicht mit Seglern erreichen“, sagt Blindow.

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Ostsee: Gemeinde informiert über Hafenausbau

Noch ist das letzte Wort um die Planung jedenfalls nicht gesprochen. Bürgermeister, Kurdirektorin und andere Gemeindevertreter haben sich kürzlich zu einem Gespräch mit der Initiative getroffen. „Da sind wir beschwichtigt worden, indem gesagt wurde, es handele sich um eine Grobplanung und das stehe alles noch gar nicht fest. Da muss man jetzt weiter drauf aufbauen“, so Blindow.

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Ziel sei eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Das Projekt solle nicht blockiert werden, „aber einen massiven Ausbau wollen wir nicht. Einige Dinge im Konzept sehen gut aus, zum Beispiel dass es energieautark werden soll. Was wir aber fordern ist eine Beteiligung der Bürger. Dass wir Hiddenseer mit eingebunden werden.“ Für die kommende Woche ist deshalb eine Informationsveranstaltung für alle Insulaner angesetzt.