Rostock: Armin Laschet mit pikanter Aussage – „Fast durchgängig gescheitert“

Armin Laschet, Spitzenkandidat der CDU/CSU und CDU-Bundesvorsitzender, bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Yachthafenresidenz Hohe Düne in Rostock-Warnemünde an der Ostsee.
Armin Laschet, Spitzenkandidat der CDU/CSU und CDU-Bundesvorsitzender, bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Yachthafenresidenz Hohe Düne in Rostock-Warnemünde an der Ostsee.
Foto: IMAGO / Chris Emil Janßen

Rostock. Armin Laschet steckt im Wahlkampf. Täglich arbeitet der CDU-Kandidat seine Termine ab. So kam er auch in den Norden nach Rostock.

Überraschend, welche Töne CDU-Chef Laschet nun in Rostock anschlug. Im Kampf gegen diktatorische Systeme auf dieser Welt versuchten westliche Mächte, in der Regel unter der Führung der USA, in den vergangenen Jahrzehnten mit mehreren militärischen Interventionen Systemwechsel herbeizuführen. Obwohl die Amerikaner in den 70er-Jahren damit schon in Süd-Vietnam scheiterten und es Millionen Tote gab, blieben sie lange Zeit ein gängiges Mittel für den Westen.

Pikante Aussagen in Rostock

Der Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat zog erst kürzlich mit Aussagen zu Flüchtlingsbewegungen aus Afghanistan nach Deutschland Kritik auf sich (MOIN.DE berichtete). Nun stellte der Mann, dem trotz jüngster Pannen noch sehr gute Kanzleraussichten bescheinigt werden, die jahrzehntelange Strategie des Westens in Rostock deutlich in Frage.

Auch deutsche Soldaten waren in Afghanistan und sollten unterstützen, das Land durch den Krieg zu demokratisieren. Eine Strategie, die seit Jahrzehnten kritisiert wird und Millionen von Menschen zu Protesten auf die Straße trieb. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center 2001 sagte Deutschland den Amerikanern Unterstützung für den Kampf in Afghanistan zu.

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Wie in den 60er und 70ern in Vietnam, ist der Versuch, mit einem Militäreinsatz die Demokratisierung herbeizuführen, in Afghanistan mit dem Abzug der Truppen aus dem Land vollständig gescheitert. Das wird dieser Tage deutlich, wo sich die vom Westen ausgebildete afghanische Armee von den terroristischen Taliban überrennen ließ, die nun wieder an der Macht sind (>>> Hier geht es zum Liveticker des Konflikts).

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Das ist Armin Laschet:

  • Der 61-Jährige ist Kanzlerkandidat von CDU und CSU.
  • Er ist 1,72 Meter groß – Merkel kommt auf 1,65 Meter.
  • Laschet soll ein direkter Nachfahre von Karl des Großen sein.
  • Seit 2017 ist er Ministerpräsident von NRW, seit 2021 CDU-Bundesvorsitzender
  • Armin Laschet lebt in Aachen und hat mit Ehefrau Susanne drei erwachsene Kinder (zwei Söhne und eine Tochter)

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Auch im Irak begann die US-Armee 2003 einen Krieg. Mit dem Ziel, Diktator Saddam Hussein zu stürzen und das Land zu demokratisieren. Ein hochumstrittener Einsatz, bei dem Deutschland die Amerikaner ebenfalls unterstützte, wenn auch nicht mit Bodentruppen.

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Im Irak wurden das Ziel einer nachhaltigen, stabilen Demokratisierung durch die Militäreinsätze nach 2003 genau so wenig erreicht. Es folgte ein langer Bürgerkrieg, ab 2014 machte sich der IS breit. Heute befinden sich noch mehrere Hundert Bundeswehrsoldaten im Irak und bilden Einheimische aus – weil das Land immer noch instabil ist. Ähnlich ist es in Libyen, wo Diktator Muammar al-Gaddafi 2011 gestürzt wurde.

Armin Laschet, dessen Partei Interventionen in den letzten Jahrzehnten immer wieder unterstütze, schlug jetzt in Rostock neue Töne an.

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Das ist Rostock:

  • Die größte Stadt unter den 84 Städten des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern ist Rostock
  • Dort leben rund 209.000 Menschen (Stand: 2019)
  • Die Hafenstadt reizt doch ihre attraktive Lage an der Ostsee
  • Bekannt ist sie außerdem als Universitätsstadt mit der im Jahr 1419 gegründeten Uni
  • Rostock ist nicht nur ein beliebter Urlaubsort, sondern auch Wirtschafts- und Verkehrsknotenpunkt im Norden Deutschlands

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Armin Laschet fast reuig

Angesicht dessen, dass die CDU, neben der SPD und auch den Grünen, eine der Parteien war, die die Amerikaner immer wieder unterstützte, wirken die Aussagen nahezu pikant und wie ein Eingeständnis.

Versuche, Systemwechsel in anderen Ländern militärisch durchzusetzen, sind nach jetziger Ansicht von CDU-Chef Armin Laschet in der jüngeren Vergangenheit überwiegend erfolglos gewesen. Bemühungen, militärisch einzugreifen, um eine Diktatur zu beenden und dann eine Demokratie aufzubauen, seien „fast durchgängig gescheitert“, gab sich der Unionskanzlerkandidat am Dienstag bei einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) in Rostock-Warnemünde fast reuig.

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„Ich glaube, das ist eine Lehre aus den letzten 20 Jahren.“ Als Beispiel verwies er auf den Irak. Bei Einsätzen sei es deshalb wichtig, sich zu fragen: „Was ist das Ziel? Wie lang soll der befristet sein?“ Vor allem müsse auch geklärt werden, wie das Ende eines Einsatzes aussehen soll. Der US-Präsident Joe Biden hatte betont, es sei nie Ziel des Einsatzes in Afghanistan gewesen, dort eine geeinte Demokratie zu schaffen. Das habe ihn in „der Klarheit etwas überrascht“, sagte Laschet.

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Trotz der Erfahrungen in Afghanistan solle Deutschland auch in Zukunft Verantwortung in der Welt übernehmen. (rg/dpa)