Sylt: Einheimische haben genug! Auf der Insel regt sich jetzt Widerstand

Sylt ist bei Touristen sehr beliebt
Sylt ist bei Touristen sehr beliebt
Foto: IMAGO / Blaulicht News

Es war ein langes Hin und Her gewesen. Dann stand fest: Sylt wird Teil der Modellregion Kreis Nordfriesland. Seit 1. Mai dürfen Urlauber wieder auf die Insel kommen. Und sie machen von dieser Möglichkeit auch rege Gebrauch. Die Züge auf die Insel sind stark ausgelastet (MOIN.DE berichtete).

Doch während sich Urlauber, Hoteliers und die Betreiber von Ferienwohnungen freuen, regt sich Widerstand auf Sylt.

Sylt: „Bei den Syltern selbst kommt davon wenig an“

„Auf unserer Insel wird unglaublich viel Geld verdient, doch bei den Syltern selbst kommt davon wenig an“, zitiert „welt.de“ Lars Schmidt. Er war der Organisator der Demonstration, die die Wiedereröffnung einer Geburtenstation auf Sylt forderte (MOIN.DE berichtete). Diese Forderung, bei der es um die medizinische Versorgung der Inselbewohner geht, ist ein Ausdruck davon.

Lars Schmidt hat die Partei „Zukunft“ gegründet und hatte bei der Bürgermeisterwahl Nikolas Häckel herausgefordert, der am Ende wiedergewählt wurde. Schmidt sagt, dass 60 Prozent der Sylter gegen eine Teilnahme am Modellprojekt gewesen seien. Wie „welt.de“ schreibt, hätten viele Sylter das Gefühl, zu unfreiwilligen Probanden eines medizinischen Modellversuchs mit unsicherem Ausgang gemacht zu werden.

+++ Sylt: Wut auf der Insel – „Unfassbar, das hat nichts mit Urlaub zu tun“ +++

Ein weiteres Problem, gegen das sich Widerstand regt auf der Insel, ist die Wohnsituation. Die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahrzehnten explodiert. Wohnraum für die Einheimischen ist extrem knapp und teuer. Für Unmut sorgt seit Langem auch die Verkehrsanbindung – durch die erneute Öffnung für Touristen hat diese Debatte eine weitere Dimension bekommen.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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„Es hieß immer, es gibt keine Wagen, kein Personal, kein Geld“, wird Achim Bonnichsen zitiert, der seit Jahren Sprecher einer Pendler-Initiative ist und Verbesserungen bei der Marschbahn fordert. Die Züge sind regelmäßig rappelvoll. Was Bonnichsen stört: Nun ruft die Landesregierung einen Modellversuch aus, und alles soll auf einmal kein Problem mehr sein? „Da fühlt man sich ein wenig verarscht.“

Rund 8.500 zusätzliche Sitzplätze bietet die DB Regio seit dem 7. Mai für Reisende von und nach Sylt für die Sommermonate an.

Sylt: Umdenken ist angestoßen

Sylt ist als Urlaubsinsel auf den Tourismus angewiesen. Dass sich aber insbesondere beim Thema Wohnen etwas tun muss – diese Botschaft ist in der Politik längst angekommen. Forderungen und Überlegungen werden laut, dass der Tourismus auf der Insel nachhaltiger werden soll (MOIN.DE berichtete).

Was die Geburtenstation angeht, begrüßt Bürgermeister Nikolas Häckel diese Idee. „Natürlich wäre eine Geburtenstation toll – jetzt muss erstmal kurzfristig die Basis klappen, und diese Basis ist in akuter Gefahr!“, hatte er im Vorfeld der Demo auf Facebook geschrieben.

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Während auf der Insel in der Pandemie vieles still stand, ist gleichzeitig einiges in Bewegung geraten. (kbm)