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Sylt: Auch HIER sind die Lockdown-Folgen spürbar – „Die Lager sind voll“

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Auf Sylt ist während des Lockdowns viel weniger los – das bekommen die Sylter Werkstätten zu spüren. (Symbolbild) Foto: imago images / Chris Emil Janßen, imago images / Hoch Zwei Stock/Angerer (MOIN.DE)

Im Lockdown bleiben die Läden zu. Touristische Reisen sind nicht erlaubt. Das bekommen nicht nur Restaurants, Hotels und Ferienwohnungen auf Sylt zu spüren, sondern auch die Sylter Werkstätten. Hier finden Menschen mit Assistenzbedarf Arbeit. 62 Mitarbeiter zählt die Einrichtung. Sie stellen Kerzen, Müsli und Konfitüre her. Und verkaufen sie in Supermärkten auf der Nordsee-Insel, auf dem Wochenmarkt in Westerland und auf Weihnachtsmärkten. Das war im vergangenen Dezember allerdings nicht möglich.

Der Lockdown hat den Alltag auf Sylt stark verändert, auch in den Sylter Werkstätten. Mit einem Beitrag auf Facebook hat die Einrichtung darauf aufmerksam gemacht – und viele Menschen erreicht.

Sylt: Sie füllen Wasser ab, sie wiegen und messen

„Wir waren überrascht, dass der Beitrag so viel Aufmerksamkeit bekommen hat“, sagt Johannes Dohl, stellvertretender Leiter der Sylter Werkstätten in Tinnum. In dem Beitrag, der vielfach geteilt und kommentiert wurde, sind mehrere Bilder aus der Einrichtung zu sehen. Mitarbeiter füllen Wasser ab, sie wiegen und messen. Einer rechnet mit einem Taschenrechner. Denn die eigentliche Arbeit, die ruht gerade.

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„Durch die anhaltenden Coronabestimmungen sind unserer Lebensmittelproduktion und unsere Kerzenmanufaktur massiv beeinträchtigt. Neben den Umsatzeinbrüchen von circa 80 Prozent fehlt auch die Arbeit, da die Lager voll sind“, heißt es über den Bildern.

https://www.facebook.com/groups/meine.insel/permalink/10158779797385915

„Wir haben in den Lagern keinen Platz mehr“, sagt Johannes Dohl. Auf Vorrat zu produzieren sei ohnehin schwierig, da die Lebensmittel ein Verfallsdatum haben. Deshalb haben sich die Sylter Werkstätten etwas anderes einfallen lassen.

Sylt: Zeit für Weiterbildungen nutzen

Sie nutzen die Zeit für Weiterbildung. Das ist auf den Bildern bei Facebook zu sehen. Die Themen waren: Rechnen, Wiegen, Abmessen, Zählen und Buchstabieren. „Es soll keine Langeweile aufkommen. Das ist wichtig“, sagt Dohl.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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Finanziell hätten sie Glück. Die Einrichtung auf der Nordsee-Insel gehört zu den Schleswiger Werkstätten. „Dadurch sind wir finanziell nicht auf uns selbst gestellt“, sagt Dohl. Dass die Einnahmen aus dem Verkäufen fehlen, würden sie aber natürlich merken.

Der Lockdown wird noch weitere Wochen andauern. Für diese Zeit gibt es bereits Ideen in der Einrichtung. Zu politischen Bildung hätten sie etwas vor, so Dohl. „Und wir planen eine kleine Impfprävention.“ Manche Mitarbeiter hätten noch nie von Impfungen gehört, andere hätten allein schon vor Spritzen Angst. Auch Menschen ohne Beeinträchtigung würden sich teils schwer tun mit dem Thema. Es sei eine Herausforderung, das so gut wie möglich zu erklären, sagt Dohl. „Wir wollen das versuchen.“

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Vorsichtsmaßnahmen sind präsent in der Einrichtung: Zweimal in der Woche werden hier Corona-Tests durchgeführt.

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Zur Einrichtung gehört auch ein Sommercafé, das aktuell geschlossen ist. Mitarbeiter hätten in den vergangenen Wochen gelernt, wie man den Kaffeevollautomaten bedient, so Dohl. Sie sind vorbereitet, wenn wieder Gäste kommen dürfen. (kbm)