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Sylt: Gutbetuchte ätzen gegen Punks – dann kommt die ganze Wahrheit raus

Sylt

Fünf überraschende Fakten über die Insel.

Die Welt geht unter auf Sylt. Für manche Insulaner scheint das in diesem Sommer die Realität zu sein. Beiträge, die gerne mal in sozialen Medien geschrieben werden, lassen das bei einigen zumindest vermuten.

In besagten privaten Räumen tummeln sich Gutbetuchte, mitunter mit besten Kontakten in die Promiwelt, die sich regelmäßig – teilweise sogar mit mehreren Beiträgen täglich – bei jeder Gelegenheit über die Punks auf Sylt auskotzen. Die Punker kotzen ja bekanntermaßen selbst auch gerne mal – und zwar vorrangig Bier in in die Ecke. Solche Aktionen stören die heile Welt von manchem Insulaner erheblich.

Sylt 2022: Heile Welt gestört

Der (Heile-)Weltuntergang auf Sylt spiegelt sich in diesem Jahr neben mancher Kotzerei so wieder: Öffentliches Pinkeln und Grölen am Wilhelminen-Brunnen, unbezahlte Kurtaxe am Strand von Westerland und Protest-Aktionen. Gegen Kapitalismus, für Klimaschutz und Wohnraum für Sylter.

In besagten sozialen Medien sorgt vor allem der Protest immer wieder für bissige Kommentare. Schlechtgekleidete, die vor der eigenen Haustür für etwas Sinnvolles demonstrieren, für so manchen Sylter ein Graus.

Punks sitzen Anfang August vor dem Rathaus von Sylt gegenüber von ihrem Protestcamp. Foto: picture alliance / Presse- und Wirtschaftsdienst | Bernd Kammerer

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Protestankündigungen werden mit Wut-und-Kotz-Smileys hämisch kommentiert und Punkern empfohlen, sie sollten doch lieber die Straßen und Parks säubern. So wie geflüchtete Ukrainer, die sich auf die Art und Weise in Berlin für die Hilfe bedankten.

Auch in Sachen Demokratieverständnis sind bei manchem Sylter Defizite zu beobachten: Es wird gerne mal die eigene Sprachlosigkeit über erfolgreiche (und mündliche) Genehmigungen für Protestaktionen zum Ausdruck gebracht.

Sogar ein Protestcamp gegen die Protestcamps wollte man ins Leben rufen.

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Sylt: Sinnkrise bei Insulanern

Ebenfalls für eine größere Sinnkrise sorgten bei manchem Insulaner Punks, die in Westerland in der Fußgängerzone schnorrten und grölten. Angeblich gingen sie auch Passanten an. Ach ja: Und die Mülleimer waren offen und überfüllt. Oha.

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An der Stelle darf aber nicht unterschlagen werden, dass sich in solche Online-Beiträge auch Menschen von der Insel einschalten und sogar über „Hetze“ gegen die Punks beschweren. Und die sind mitunter sogar in der Überzahl.


Wen’s trotz vieler Menschen an die Küste zieht: 10 Tipps für Urlaub an der Nordsee:

  • Lütetsburg
  • Cuxhaven
  • Sankt Peter-Ording
  • Wattenmeer, zum Beispiel Neuwerk oder Nordstrand
  • Husum
  • Niedersachsens Küste: Neuharlingersiel, Dangast, Greetsiel
  • Festlandorte in Schleswig-Holstein, zum Beispiel Brunsbüttel
  • Ostfriesische Inseln
  • Sylt
  • Schleswig-Holsteins Nordsee-Inseln (Föhr, Amrum, Helgoland)

Einig sind sich die meisten Sylter in einem: Müll und Dreck, den die Feiernden hinterlassen, nervt. Das Problem gab es auch die letzten Jahre vor den Punks schon. Ebenso gibt es wenig Verständnis für nackte Tanzereien an Orten, an denen Kinder unterwegs sind oder das Abschrecken von Urlaubern, die so wichtig sind für die corona-gebeutelte Gastronomie und Co.

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Doch manch Insulaner scheint in allem, was irgendwie mit Punks und deren Freunden zu tun hat, eine Katastrophe zu sehen.

Vielleicht ist es mitunter zu viel der Realität vor der eigenen Haustür, dass es Menschen mit bunten Haaren und schwarzen Klamotten gibt. Und dass die auch noch demonstrieren und Bier trinken können wie jeder andere auch.

30. Juli 2022: Eine Gruppe Punks aus einem Protestcamp im Stadtpark vor dem Rathaus stehen dem Tourismus-Zentrum Sylt. Der Veranstalter des Protestcamp konnte der Versammlungsbehörde glaubhaft darlegen, dass es eine funktionale/symbolische Bedeutung für das Versammlungsthema gibt. Foto: picture alliance / Presse- und Wirtschaftsdienst | Bernd Kammerer

Sylt: Kein besonderer Einsatzschwerpunkt

Der Weltuntergang ist jedenfalls noch weit weg, die Wahrheit sieht eher anders aus. Demonstrationen und Protestcamps, wenn sie denn stattfanden und nicht etwa wegen fehlender sanitärer Anlagen den Rückzug antreten mussten, verliefen friedlich. „Bonzen“ wurden nicht verjagt, wie es in manch einer Ankündigung hieß.

Und selbst die Polizei, nicht gerade der beste Freund von Punks und Co., äußerte sich gegenüber unserer Redaktion eher wohlwollend.


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Man führe keine gesonderte Statistik über Straftaten, die von Punks in diesem Sommer begangen werden, teilt Sprecher Christian Kartheus von der Polizeidirektion Flensburg MOIN.DE mit.

„Generell kann ich Ihnen aber mitteilen, dass die Punks keinen besonderen Einsatzschwerpunkt für uns darstellen. Die Einsatzlage entspricht der normalen Einsatzsituation zur Urlaubs- und Ferienzeit.“