Hamburg: Alle lieben den Michel – aber in 20 Jahren wird das Wahrzeichen komplett anders aussehen

Der Michel zählt zu den bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt Hamburg.
Der Michel zählt zu den bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt Hamburg.
Foto: imago images/Chris Emil Janßen

Der Michel gehört zu den bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt Hamburg. Die Kirche hat bereits einige emotionale Momente hinter sich. Erst letzte Woche gab es wieder so einen. Zu Ehren von Jan Fedder wurde eine Gedenktafel in den Boden eingelassen.

„Jan Fedder war ein Kind des Michel. Taufe, Konfirmation, Hochzeit und seine Trauerfeier haben hier stattgefunden. Deshalb erinnern wir an ihn mit einer eigenen Michel-Tafel“, sagte Hauptpastor Alexander Röder bei der Veranstaltung in Hamburg.

Hamburg: Michel-Archivarin kann Glück kaum fassen

Die goldene Tafel des Schauspielers liegt jetzt unter dem graubraunen Turm, durch den an einigen Stellen das Grün schimmert. Kaum jemand, der jünger als 30 ist, wird wissen, dass es Zeiten gab, in denen das Wahrzeichen komplett anders aussah. Auch das Stadtpanorama war früher ein ganz anderes.

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Die Archivarin des Michel, Christina Urlass, weiß genau über diese Zeit Bescheid. „Ich kann mein Glück kaum fassen, dass ich das machen darf“, sagt sie über ihren Beruf.

Fast täglich geht sie ins Archiv, wo neben alten Fotos und Bauplänen auch Taufbescheinigungen gelagert sind. „Es ist alles super interessant“, sagt sie. Besonders die alten Bilder vom Wiederaufbau des Michel haben es ihr angetan. Relativ viele Anfragen bekomme sie von Zeitungen, Schülern oder Projekten.

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Der wohl bewegendste Moment des Bauwerks ist über 100 Jahre her. 1906 fackelte das Wahrzeichen der Stadt, das damals zum größten Teil noch aus Holz bestand, ab. Zwei Dachdecker waren bei Lötarbeiten nicht vorsichtig genug gewesen. Der Turm brach durch den Brand ein. Eine Katastrophe für die Stadt.

Hamburg: Michel wieder aufgebaut

Sechs lange Jahre dauerte es, bis der Michel wieder vollständig aufgebaut war und sich in vollem Glanz über die Hansestadt erhob. Mit einem dunklen Turm, der in den darauffolgenden Jahrzehnten dem Krieg trotzte und sich optisch stark veränderte.

Der Grund für die Veränderung war die sogenannte Patina – auch Grünspan genannt. Die grünliche Farbe entsteht mit den Jahrzehnten auf natürliche Weise auf Kupfer.

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„Als ich Kind war in den 70er-Jahren, da war der Michel knallgrün, da kann ich mich dran erinnern“, sagt Christina Urlass. Auch in den 60er-Jahren sei das Wahrzeichen wohl schon längst grün und nicht mehr graubraun gewesen.

So wie auf diesem Panorama-Foto dürften die jüngeren Menschen das Stadtbild also nicht mehr in Erinnerung haben:

Hamburg: Grüner Michel liebgewonnen

Die Hamburger damals liebten ihren grünen Michel. Über die Jahrzehnte hatte man sich an seinen Anblick gewöhnt und konnte sich nicht vorstellen, dass er seine Farbe wieder ändern würde. Ab 1983 startete jedoch eine jahrzehntelange Sanierung. „Erst die Laterne, dann die Kuppel, dann Säulenhalle und Uhrgenschoss“, erzählt Christina Urlass.

Der Brand 1906 wurde durch das verbaute Holz beschleunigt, deswegen hatte man sich beim Wiederaufbau entschieden, Bimsstein, also Vulkangestein, zu verwenden. Doch dem machte das Wetter mit der Zeit zu schaffen. Das Vulkangestein wurde bei der Sanierung ab 1983 durch schwer zu entflammendes Hartholz ersetzt – und das wiederum wurde mit Kupfer überzogen. Der Michel war wieder graubraun.

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Doch der ungewohnte Anblick gefiel vielen Hamburgern nicht. „Der Grüne war so liebgewonnen", sagt Christina Urlass.

Auch heute noch hat der Michel längst nicht sein altes Grün zurückbekommen. Die komplette Sanierung wurde 2009 abgeschlossen. „Extrem aufwändig und kostenintensiv" sei es laut der Archivarin gewesen. Viele Spenden hätten gesammelt werden müssen.

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Wer einen genauen Blick auf den Michel wirft, wird sehen, dass die Patina an einigen Stellen jetzt nach ungefähr 30 Jahren wieder da ist.

20 bis 30 Jahre wird es vermutlich noch dauern, dann hat Hamburg wieder einen grünen Michel. Übrigens ist auch der Michel im Miniatur Wunderland nicht graubraun, sondern komplett grün.