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Hamburg: Diese Hündin durchlebte Furchtbares – und entging nur knapp dem Tod

Hamburg Malinois Diensthund Schäferhund Instagram
Ein Herz und eine Seele: Amelie und Akira. Foto: Amelie Höhne

Es sind beeindruckende Szenen, die Amelie Höhne aus Hamburg mit ihrer Hündin Akira filmt. Auf ihrem Instagram-Account lädt sie regelmäßig Videos hoch, in denen die Malinois-Hündin über Hindernisse springt, ihrer Besitzerin ein High-Five gibt oder komplizierte Schrittfolgen absolviert.

Die beiden sind ein eingespieltes Team. Doch bis Akira zu ihrem Frauchen in Hamburg fand, durchlebte sie mehr als nur eine Tragödie.

Hamburg: Hund von Familie schlecht behandelt

Im November 2019 hat die gelernte Tierarzthelferin die Malinos-Hündin in ihre Obhut genommen. Schon einmal hatte Akira zuvor den Besitzer wechseln müssen. Zuerst hatte eine Familie mit Kind das Tier adoptiert.

„Sie haben Akira wohl sehr schlecht behandelt und wussten scheinbar nicht, welche Gefahren es birgt, solch einen Hund in eine Familie mit Kind zu stecken.“, erzählt die 26-Jährige. Bis heute verhält das Tier sich panisch in Gegenwart von Kindern: Sie zittert, ihr Atem beschleunigt sich und sie beginnt zu jaulen.

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„Gut geführt und richtig ausgelastet können Malinois tolle Begleiter und auch Familienhunde sein, aber durch ihre Veranlagungen gibt es viele Risiken, vor allem für unerfahrene Hundebesitzer“, erklärt Amelie.

Hamburg: „Eine furchtbare Situation“

Schon damals hat Akira dann gesteigerte Aggressionen gezeigt, sowohl gegen Artgenossen als auch gegen Menschen. „Die Familie ist nicht mehr mit ihr klargekommen“, erzählt die Hamburgerin.

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Schlussendlich haben sie sich immer weniger mit ihr beschäftigt. „Eine furchtbare Situation“, so die 26-Jährige. Und ein fataler Fehler. Gezüchtet als Hüte- und Treibhunde, hat die Rasse natürlicherweise einen hohen Bewegungsdrang und braucht fordernde Aktivitäten.

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Deshalb gelten die Malinos auch als eine der beliebtesten Diensthunde. Zusammen mit dem Deutschen Schäferhund sind die Vierbeiner die am meisten eingesetzte Rasse bei Polizei, Zoll und Militär.

Hamburg: Akira sollte Diensthund werden

Dahin sollte auch Akiras Reise gehen. Die Familie verkaufte die Hündin an einen Mann, der sie zum Diensthund ausbilden wollten. Da sie bereits traumatisiert war, lief aber auch das schief.

Trotzdem wollte er die Hündin behalten. „Dann ging das Drama erst richtig los“, erklärt die jetzige Besitzerin. Denn neben der unermüdlichen Energie verspüren manche Malinois auch eine gesteigerte Territorialität.

Hamburg: Hund attackiert Menschen

Heißt: „Sie hat Zuhause das Gefühl, dass alles ihr gehört und sie nur durch die Anwesenheit anderer bedroht wird“, erklärt Amelie. In der kleinen Wohnung, in der sie dann mit dem jungen Mann lebte, ein permanenter Stressfaktor. Jeden Besucher sah sie als Eindringling.

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Es kam zu Attacken gegen mehrere Menschen. Akira ging auf Personen in der Familie, einen Kumpel des Mannes und einmal sogar auf einen Fremden auf der Straße los.

Besitzer aus Hamburg hat Angst

„Der Besitzer war dann schon ziemlich am Ende“, so die 26-Jährige. Das grundsätzliche Wesen und die Veranlagungen der Rasse und Akiras Vorgeschichte, ergaben „eine ungünstige Mischung.“

Nach einer Weile griff Akira auch ihr Herrchen an. „Er hatte ziemliche Angst und wusste nicht mehr weiter“, sagt Amelie. Über eine Facebook-Gruppe, die Malinois vermittelt, versuchte der junge Mann, die Problem-Hündin abzugeben.

Hamburg: Amelie bewahrt Hündin vor dem Einschläfern

Doch niemand wollte sich dem Vierbeiner annehmen. Die Situation zuhause spitzte sich immer weiter zu. Letzte Option: „Entweder es findet sich jemand oder sie wird eingeschläfert“, erinnert sich die Tierarzthelferin.

Da Amelie bereits in Kontakt mit der Organisatorin der Gruppe war, erfuhr sie von dem schwierigen Fall, zögerte aber anfangs noch. Schlussendlich entschied sie sich für Akira und bewahrte die Hündin damit vor dem Tod.

Da die 26-Jährige mit Hunden aufgewachsen ist und zu dem Zeitpunkt bereits im Besitz einer anderen Malinois-Hündin war, konnte Amelie auf viel Erfahrung zurückgreifen und hat sich über die Jahre umfangreiches Wissen angeeignet.

Hamburg: Besitzerin nimmt „Erwartungen raus“

Aber: „Ich habe die Erwartung bei Akira komplett rausgenommen“, erzählt sie. Für die Hündin sei vor allem das Gefühl von Akzeptanz wichtig gewesen. „Jedes Lebewesen spürt, wenn man ihm voreingenommen gegenübertritt“, betont sie.

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Sie versuchte, eine entspannte Atmosphäre herzustellen, Akira viel Raum zu lassen und am Anfang Konfliktsituationen weitestgehend zu vermeiden. Angst vor ihr hatte Amelie nie. „Das hätte ich mir auch nicht leisten können“, sagt sie im Nachhinein.

In Kontakt mit fachkundigen Trainern in Hamburg

Trotzdem war die Anfangszeit hart. „Sie ging auf jeden los, der auf sie zukam“, erzählt die 26-Jährige. „Bei Kleinigkeiten ist sie schon ausgerastet, hat die Zähne gefletscht und geknurrt.“

Die Tierarzthelferin ging nie darauf ein, brachte ihrer Hündin immer Vertrauen entgegen. Außerdem arbeitete sie an den Problemen und stand in stetigem Kontakt mit fachkundigen Trainern. „So sind wir über die Monate zusammengewachsen.“ Aus zunächst kleinen Schritten entwickelte sich eine enge Beziehung.

Hunde in Hamburg immer in Action

Auch körperlich lastet Amelie Akira, sowie ihre zweite Hündin Gina, voll aus. „Malinois sind dazu gezüchtet worden, über ihre Grenzen zu gehen“, erklärt Amelie.

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Das betrifft sowohl körperliche als auch geistige Aktivitäten. Die Rasse ist ungemein lernfähig und schreckt vor keiner Herausforderung zurück. „Das kann schwierig werden, weil sie sich auch Schlechtes sehr schnell einprägen“, so die 26-Jährige.

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Wer sich für einen Malinois entschieden hat, muss ihn in jedem Fall mit einer körperlichen und geistigen Aktivität fordern, etwa mit IGP Hundesport, der an die Ausbildung zum Diensthund angelehnt ist.

Auch Hudeprofi Martin Rütter fordert von Malinois-Haltern, dass das Tier „gemäß seiner Anlagen gefordert wird.“ Wegen des ständigen Tatendrangs kommen die Hunde zudem schlecht zur Ruhe.

Rütter weißt darauf hin, dass der Hund „gerade weil er zur Unermüdlichkeit neigt und sehr reizempfänglich ist, lernen muss, zur Ruhe zu kommen.“ Neben der täglichen körperlichen Auslastung also ein zusätzlicher Faktor, der bei der Erziehung eines Malinois beachtet werden muss.

Hamburg: „Königsklasse der Hundeausbildung“

„Für mich ist es die Königsklasse der Hundeausbildung, denn das was, diese Hunde so einzigartig und bewundernswert macht, kann einem gleichzeitig massive Probleme machen“, fasst Amelie zusammen.

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„Jeder Schritt sollte durchdacht und geplant sein, vor allem mit Welpen“, unterstreicht sie. Und genau das tut sie, wenn sie mit ihren Hunden trainiert.

Amelie, die sich in Zukunft zur Hundetrainerin ausbilden lassen will, ist bewusst, dass Akira in gewisser Hinsicht immer ein Problemfall bleiben wird.

Hund in Hamburg mit Maulkorb gesichert

Es sei nicht auszuschließen, dass eines Tages plötzlich eine Kleinigkeit wieder Aggressionen in ihr auslöst. Deshalb ist sie die meiste Zeit auch mit einem Maulkorb abgesichert. „Jeder gute Tag ist ein guter Tag, aber man weiß nie, was morgen kommt“, stellt Amelie klar.

Bisher kam es dank gutem Training und viel Management nicht dazu und die Hündin verhält sich mittlerweile, auch anderen Menschen gegenüber, ganz entspannt. „Ich tue alles für sie, was möglich ist, um ihr ein schönes Leben zu bereiten“, sagt ihre Besitzerin.