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Hamburg Hafen: Verkehr komplett lahmgelegt, genervtes Hupkonzert – dann sorgt ein Lkw-Fahrer für eine Überraschung

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Kalkuliertes Chaos im Hafen von Hamburg am Montagmorgen. Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Kollaps an einer der wichtigsten Verbindungen im Hafen von Hamburg. Am Montagmorgen (21. Februar) wurde von Demonstranten eine Kreuzung am Zollamt Waltershof zur Köhlbrandbrücke und zur Autobahn A7 blockiert. Es sind die Gleichen, die in den letzten Wochen durch Aktionen in der Hauptstadt aufgefallen waren.

MOIN.DE hat mit den Protestierenden über ihre Motive und Ziele gesprochen. Und über die deutliche Kritik, die ihnen für derlei Aktionen entgegenschlägt. Denn ob in Hamburg, Berlin oder anderswo: Den Verkehr zu blockieren, egal zu welch ehrwürdigem Ziel, kann gefährlich werden.

So reagieren die Autofahrer im Hafen von Hamburg

Autofahrern platzte zuletzt regelmäßig der Kragen, wenn sich direkt vor ihnen auf der Straße Demonstranten mit Plakaten niederließen und sogar auf dem Asphalt festklebten. Des Öfteren wurden sie gewalttätig attackiert.

In Hamburg liefen mehrere Menschen in orangenen Westen im Schmuddelwetter des Morgens bei der Zufahrt zur Köhlbrandbrücke und A7 auf die Kreuzung. Was darauf folgte: Ein gellendes Hupkonzert – mit dem seitens der Protestierenden sicher gerechnet wurde. Auch auf der Brücke selbst saßen Personen.

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„Die massiven Störungen im Hafen sind nichts im Vergleich zu Störungen durch Fluten, Dürren, Essensknappheit. Es ist unsere Pflicht, gegen eine todbringende Politik Widerstand zu leisten“, twitterten die Verantwortlichen der Gruppe „Aufstand der letzten Generation“.

Mit der Berichterstattung in mehreren Medien über die Aktion in Hamburg sahen sie sich zeitgleich erneut mit vielen Beleidigungen und wüster Kritik ausgesetzt. Es gibt wohl kaum eine Protestform, die derzeit so sehr polarisiert.

60 Aktionen der Gruppe soll es mittlerweile gegeben haben, 210 mal wurden Aktivisten in Gewahrsam genommen worden. Die Polizei stellte dutzende Strafanzeigen. FDPlerin und Senatsmitglied Anna von Treuenfels-Frowein spricht von „Chaoten“. Das Ganze sei kein Spielchen, „sondern Nötigung“.

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Ob es am Montag im Hafen von Hamburg körperliche Angriffe auf die Protestierenden gegeben hat, konnte Sprecherin Aimeé van Baalen am Nachmittag noch nicht sagen. Nur so viel: Ein Lkw-Fahrer soll, jedenfalls laut Angaben der Gruppe, einer Demonstrantin seine Jacke wegen des Regens gegeben haben. Eine rührende Abwechslung zu all dem Hass, den es sonst oft genug auf den Straßen gibt.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Hamburg Hafen: Was passiert im Ernstfall?

Vor allem einen Vorwurf müssen sich die Demonstrierenden immer wieder gefallen lassen: Was ist, wenn mit derlei Aktionen Krankentransporte blockiert werden? Oder die Feuerwehr? Oder Schwangere auf dem Weg zur Klinik?

„Dass wegen eurer sinnfreien Aktion Krebspatienten nicht zur Therapie können, weil sie im Stau stehen, ist euch egal, oder?“, heißt es in einem der vielen wütenden Twitter-Kommentare.

Aimeé van Baalen sagt gegenüber MOIN.DE: „Wenn es um Menschenleben geht, wenn ein Krankenwagen durch muss, dann bilden wir immer eine Rettungsgasse. Denjenigen wird die Polizei dann auch begleiten, dann machen wir immer den Weg frei. Wir können den Unmut auch absolut verstehen, im Stau zu stehen.“

Man sehe sich angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel aber gezwungen, zu diesen Mitteln zu greifen.

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Hamburg Hafen: Das fordern die Protestierenden

Der „Aufstand der letzten Generation“ hat im Kern zwei Forderungen. Zum Einen eine Agrarreform, um die Emissionen in diesem Bereich deutlich zu senken. Laut Umweltbundesamt ist die deutsche Landwirtschaft für 7,6 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen des Landes verantwortlich. Das mit weitem Abstand größte Problem sind dabei vor allem die Methanemissionen aus der Verdauung von Wiederkäuern (Rinder, Kühe).

Die zweite Forderung der Protestierenden, die immer wieder auch Lebensmittel auf die Straßen kippen: Große Supermärkte sollten verpflichtet werden, noch genießbares Essen zu spenden – und so gegen den Welthunger vorgehen und deutlich ihren CO₂-Ausstoß reduzieren.

Wie aber sollen deutsche Supermärkte mit Lebensmittelspenden dafür sorgen, den Hunger beispielweise in Ruanda, Kenia oder Nicaragua zu stoppen? Rein logistisch eine eigentlich unlösbare Aufgabe, da Lebensmittel verderblich sind, Kühlketten oft eingehalten werden müssen, der (Flug-) Transport die Umwelt stark belasten würde und kostenintensiv wäre.

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Aimeé van Baalen sagt gegenüber MOIN.DE, dass es weniger darum gehe, überschüssige Lebensmittel zu exportieren, sondern darum, diese einzusparen und weniger zu produzieren. Wenn die eigene Bevölkerung ausreichend versorgt werde, müsse man zudem nicht so viel nach Deutschland einschiffen. Die Menschen im Ausland könnten ihre produzierten Lebensmittel mehr selbst verwenden.

Dem „Aufstand der letzten Generation“ schwebt ein „Essen retten“-Gesetz nach dem Vorbild Frankreichs vor. Das würde vorsehen, dass große Supermärkte verpflichtet werden, Lebensmittel vor Ort zu spenden. „1,6 Millionen Menschen hier gehen zur Tafel“, gibt die Sprecherin zu bedenken.

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Daten und Fakten zum Hafen Hamburg:

  • Der Hamburger Hafen ist ein offener Tidehafen an der Unterelbe der Freien und Hansestadt Hamburg (Eröffnung: 7. Mai 1189)
  • Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen in Deutschland und der drittgrößte in Europa (hinter Rotterdam und Antwerpen)
  • Gesamtfläche des Hamburg Hafen: 7.200 Hektar (ca. 10 Prozent der Fläche Hamburgs)
  • Gesamtumschlag im Jahr 2020: 126,3 Millionen Tonnen
  • 7.377 Schiffe liefen den Hafen 2020 an

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Hamburg Hafen: Warum Lebensmittel und Agrar?

Agrarreform, Umverteilung von Lebensmitteln – zweifelsohne wichtige Themen in Bezug auf den Klimawandel. Aber nicht unbedingt die großen Heilsbringer. Warum setzt sich die Gruppe nicht vorrangig für die Reduzierung des Autoverkehrs oder gegen die schädliche Kohleförderung, energieintensive Industrien oder tödliche Feinstaubbelastung durch Holzverbrennen (hier mehr dazu) ein?

Das habe laut Aimeé van Baalen vor allem zwei Hintergründe: „Zum Einen ist es ein humanitärer Akt, Lebensmittel einzusparen und damit gleich zu helfen“. Und zum anderen sei die Agrarwende ein wichtiger Sektor, der die Möglichkeit biete, CO₂ einzusparen.

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Sie verweist dabei auf Ideen aus dem Bürgerrat Klima, einem Zusammenschluss von 160 zufällig ausgewählten Bürgern unter der Schirmherrschaft von Ex-Bundespräsident Horst Köhler. Der Rat fordert eine unverzügliche Umstellung auf eine klimafreundliche Landwirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden, bezahlbaren Lebensmitteln, die gleichzeitig das Einkommen der Erzeugenden sichern.

Seinen Protest einstellen wird der „Aufstand der letzten Generation“ so bald nicht, das machte die Sprecherin gegenüber MOIN.DE deutlich. Da kürzlich ein Ultimatum an Bundeskanzler Olaf Scholz ausgelaufen sei, werden „die Blockaden erweitert“. Neben Straßen und Häfen sind auch Flughäfen nun ein Ziel.

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Der Protest an der Köhlbrandbrücke und A7 in Hamburg endete am Montagnachmittag um etwa 13 Uhr. Die Polizei gab beide Fahrbahnen nach einer Säuberungsaktion wieder frei. Die Protestierenden hatten dort 60 Liter Rapsöl ausgekippt.