Hamburg führt Bewohnerparkgebiete ein – was daraus folgt, sieht man schon kurz danach in den Straßen

Robin Grützmacher
Ein neuer Parkautomat steht in Hamburg-Eimsbüttel am Kaiser-Friedrich-Ufer.
Ein neuer Parkautomat steht in Hamburg-Eimsbüttel am Kaiser-Friedrich-Ufer.
Foto: IMAGO / Jürgen Ritter

Es war eine Maßnahme, die manchen Einwohner in Hamburg dann doch überraschte. Vor einigen Wochen richtete die Stadt mehrere neue Bewohnerparkzonen in Teilen von Eimsbüttel und Altona-Nord ein. Wen die vorherigen Info-Schreiben als Anwohner nicht erreichten, der hatte spätestens mit dem Aufstellen der neuen Parkautomaten davon mitbekommen – oder eine kurze Weile später vielleicht auch schon einen Strafzettel im Briefkasten.

Denn wenn neue Bewohnerparkzonen eingerichtet werden, bedeutet das für die Autobesitzer in den Stadtteilen, dass sie von der Stadt Hamburg zur Kasse gebeten werden und sich einen Anwohnerparkausweis kaufen müssen. Wer das nicht tut und in den Zonen parkt, dem drohen regelmäßig Strafzettel an der Windschutzscheibe.

Hamburg: Anwohner und Auswärtige müssen zahlen

Menschen, die nicht in den Stadtteilen wohnen, sondern dort zu Besuch sind und ihr Auto abstellen, müssen an den Parkautomaten bezahlen, von denen es nun so einige in Eimsbüttel und Altona-Nord gibt – oder sich einen Besucherausweis holen. Die Gratis-Zeiten sind hier für alle Autobesitzer im öffentlichen Raum also vorbei. Das schreckt natürlich ab.

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Anwohner mit Auto müssen für einen Bewohnerparkausweis 45 Euro hinlegen, Auswärtige werden gleichzeitig durch die Parkautomaten abgeschreckt, wenn sie Gebühren nicht bezahlen wollen oder können. Mittlerweile wurde die Gebühr sogar noch weiter erhöht: Auf 65 Euro (hier mehr dazu).

Zumindest unter den Eimsbüttelern und Altonaern sprachen sich so einige deutlich für die Parkzonen aus. „Vor der Einrichtung des Bewohnerparkgebiets hat die Umfrage unter Anwohner:innen mit deutlicher Mehrheit bestätigt, dass das Bewohnerparkgebiet aufgrund des hohen Parkdrucks erwünscht ist", sagt Sprecher Dennis Krämer von der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende MOIN.DE.

Der von den Grünen geführten Behörde dürfte das gelegen gekommen sein, will sie doch den Autoverkehr in der Stadt zurückdrängen.

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Das ist Anjes Tjarks:

  • Anjes Tjarks wurde am 12. März 1981 in Hamburg geboren.
  • Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
  • Anjes Tjarks studierte Erziehungswissenschaft, Anglistik und Sozialwissenschaften und promovierte anschließend in den Bereichen Politikwissenschaft und kognitive Linguistik.
  • Seit 1998 ist Anjes Tjarks bei den Grünen.
  • Seit 2011 war er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und von 2015 bis 2020 Fraktionsvorsitzender der Grünen Bürgerschaftsfraktion.
  • Seit dem 10. Juni 2020 ist er erster Senator für Verkehr und Mobilitätswende der Stadt Hamburg.

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Entspannter parken in Hamburg-Eimsbüttel

Und dass Auswärtige ihre Wagen nun nicht mehr in den Gebieten abstellen, hat Vorteile für Anwohner: Weniger nervenaufreibende Parkplatzsuche. Dafür zahlen viele gerne 45 Euro pro Jahr, während sich andere über die Zusatzkosten ärgern. „Seit der Einführung kam es zu Nachfragen und Reaktionen durch die Anwohner, darunter fanden sich jedoch nur Einzelfälle von Beschwerden", sagt Dennis Krämer.

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In machen Abschnitten in der Nähe des Schlumps beim Emilie-Wüstenfeld- oder auch Helene-Lange-Gymnasium hat sich die Parksituation beispielweise teilweise deutlich entspannt. Seit Einrichtung der Bewohnerparkzone sind deutlich mehr Parkplätze zu finden. Möglicherweise, weil die Abschnitte bei Auswärtigen und Dauerparkern besonders beliebt waren.

Behördensprecher Dennis Krämer sagt, obwohl das Gebiet erst am 5. Juli eingeführt wurde, könne man „bereits jetzt durch die deutliche Abnahme ortsfremder Langzeitparkender eine gewisse Regulierung erzeugen und insgesamt eine positive Veränderung feststellen.“ Für eine umfassende Aussage sei es aber noch zu früh.

Auf der Strecke bleiben hingegen natürlich all jene, die von Außerhalb kommen und in dem Gebieten parken müssen, warum auch immer. Für sie geht es jetzt nicht mehr ohne Kosten. Zumindest nicht tagsüber, denn die Bewirtschaftungszeit endet in den Gebieten am Abend. Für Gewerbetreibende gibt es Ausnahmegenemigungen (hier mehr dazu).

In Facebook-Gruppen für den Stadtteil Eimsbüttel berichten ebenfalls viele Menschen erleichtert, dass sich die Parksituation bei ihnen vor der Tür verbessert habe. Manche jedoch auch, dass es schlechter geworden sei oder dass sie wegen der Kosten nun nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren können.

Wohl nicht die letzte Parkzone in Hamburg

Das Thema Bewohnerparkzonen wird die Stadt und sehr viele weitere Menschen in Zukunft wohl noch intensiv beschäftigen. Denn die Gebiete in Eimsbüttel und Altona-Nord werden möglicherweise nicht die letzten gewesen sein, auch auf St. Pauli gibt es so etwas schon. Und mehr ist in Planung.

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Die nächsten Bewohnerparkzonen könnten im nahegelegenen Harvestehude entstehen. Hier ist ebenfalls eine Umfrage gestartet, in der die Anwohner über deren Errichtung entscheiden. Das neue Gebiet würde um das Tennisstadion am Rothenbaum, den Innocentia-Park und den Klosterstern verlaufen.

Seit dem 13. September und bis zum 4. Oktober werden alle volljährigen Bewohner aus dem geplanten Bewohnerparkgebiet persönlich angeschrieben und können sich an einer Online-Umfrage beteiligen.

Hamburg: Neue Parkzone könnte im 1. Quartal 2022 entstehen

Spricht sich die Mehrheit für neue Bewohnerparkgebiete aus, folgt die weitere Feinplanung des Landesbetriebs Verkehr (LBV) mit den beteiligten Behörden sowie dem örtlichen Polizeikommissariat. Die Realisierung des Bewohnerparkgebietes ist dann für das 1. Quartal 2022 geplant.

Anwohner hatten sich an die Behörde gewandt und beklagt, dass es in Harvestehude in verschiedenen Bereichen fast unmöglich sei, einen Parkplatz zu finden. Der LBV machte laut eigenen Angaben eine Erhebung und fand an Stichtagen heraus, dass „diverse Straßen im möglichen neuen Bewohnerparkgebiet zu verschiedenen Uhrzeiten zu 100 Prozent ausgelastet waren."

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Unter der Woche seien vormittags und nachmittags die Parkstände zu ungefähr 20 Prozent von Pendlern sowie anderen Nutzenden belegt, was zeige, dass eine Parkraumbewirtschaftung und die Einführung des Bewohnerparkgebiets eine signifikante Verbesserung für die Bewohner erbringen könne.

Bewohner aus Harvestehude, die persönliche Zugangsdaten aus der Post erhalten haben, können bis zum 4. Oktober >>> hier an der Umfrage teilnehmen. Alternativ kann sich auch ein Druckexemplar aus dem Bezirksamt Eimsbüttel abgeholt und per Post zurückgeschickt werden.