Hamburg: Kein Feuerwerk an Silvester? So wird der Jahreswechsel in der Hansestadt

Wird es in diesem Jahr große Feuerwerke in Hamburg geben?
Wird es in diesem Jahr große Feuerwerke in Hamburg geben?
Foto: IMAGO / STPP

Der vergangene Jahreswechsel fiel deutlich leiser aus als gewöhnlich. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Verkauf von Pyrotechnik und Feuerwerk verboten. In Hamburg blieb der Nachthimmel weitestgehend dunkel.

Nun steht die Silvesternacht erneut bevor und die Vorbereitungen laufen. Bisher ist kein flächendeckendes Böllerverbot für Hamburg geplant. Umweltschützer jedoch fordern, dass die Knallerei ein Ende hat und setzen sich dafür ein, dass privates Feuerwerk gänzlich untersagt wird. Was gilt an Silvester in der Hansestadt?

Hamburg: Nabu kritisiert Umweltbelastung und andere Gefahren

Für die einen ist es eine unverzichtbare Tradition, für die anderen eine überholte Geldverschwendung: Das Feuerwerk an Silvester. Seit Jahren bereits gibt es Forderungen für ein flächendeckendes Verbot. Verbände und Vereine weisen auf Feinstaubbelastung, Gefahren für Mensch und Tier und Umweltverschmutzung hin, die gegen das jährliche Abbrennen von Pyrotechnik im Milliardenwert sprechen.

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Auch der Naturschutzbund (Nabu) Hamburg hat sich jüngst erneut gegen private Böllerei an Silvester ausgesprochen. Im Gespräch mit MOIN.DE macht der Vorsitzende Malte Siegert seinen Standpunkt deutlich: „Ich halte das überhaupt nicht mehr für vernünftig und richtig, nur weil man auf Zwang an dieser Tradition festhalten will.“ Auch in Hinblick auf andere Herausforderungen wie der Klimakrise müsse die Tradition hinterfragt werden.

Diskussionen über das Thema gibt es seit vielen Jahren. Dabei geht es laut Siegert zunächst um die menschliche Gesundheit. Es gebe viele Verletzungen, sowie Atemwegsbeschwerden angesichts der enormen Belastung durch Feinstaub.

Auch macht er auf die Auswirkungen für die Tiere aufmerksam: Haustiere würden „in den Stunden maximal leiden, aber auch viele Wildtiere, die hochgradig irritiert werden.“ Hinzu kämen die Abfälle, vor allem die Farbe und Chemikalien, die von den Feuerwerkskörpern ausgehen und über die Kanalisation in das Wasser gelangen. „Das ist ein richtiges Problem“, mahnt Siegert.

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Statt privater Böllerei schlägt er ein oder mehrere zentral organisierte Feuerwerke vor, „damit die Menschen nicht grundsätzlich darauf verzichten müssen und nicht unkontrolliert und ungehindert in der ganzen Stadt ballern.“

Sein Vorstoß hat dem Nabu-Chef einen vollen Posteingang beschert. „Ich habe auch schon böse Mails bekommen, in denen ich angefeindet wurde, wie man denn so was fordern kann“, berichtet er. Auch Drohungen waren dabei: „Das ist nicht selten.“

Feuerwerksfreie Zonen in Hamburg

Am Donnerstag hat die Bürgerschaft in Hamburg beschlossen, wie der Jahreswechsel ablaufen soll. In der Innenstadt wird es aufgrund von negativen Ereignissen vorausgegangener Jahreswechsel Verbotszonen geben.

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Rund um die Binnenalster und am Rathausmarkt dürfen Böller, Raketen und Co. nicht entzündet werden. Außerdem soll geprüft werden, ob innerhalb des Ring 1 weitere feuerwerksfreie Zonen errichtet werden. Tatsächlich sind die gesetzlichen Grundlagen für die Genehmigung von Feuerwerken auf Bundesebene geregelt. Daher kann Hamburg derzeit nur an vereinzelten Orten über Verbote entscheiden.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Im Frühjahr will die Bürgerschaft die Silvesternacht in Hinblick auf die Entsorgung des Mülls, die Belastung der Rettungskräfte und die Auswirkungen auf die Umwelt analysieren. Für 2022/2023 erwägt die Bürgerschaft dann eine feuerwerksfreie Veranstaltung – etwa durch Lasershows in der Innenstadt und am Hafen, heißt es in dem Antrag vom 3. November, der am Donnerstag beschlossen wurde.

Hamburg: „Unnötige Belastungen vermeiden“

„Auch angesichts der bereits bestehenden Einschränkungen wäre jetzt eine Chance, dass man mit zentralen Feuerwerken oder durch Lichtshows ein alternatives Neujahrserlebnis anbietet“, findet Malte Siegert.

Die Bürgerschaft appelliert an alle Hamburger, „sehr verantwortungsvoll und zurückhaltend mit dem Gebrauch von Feuerwerkskörpern umzugehen.“ Auch von Umweltbelastungen, Gesundheitsgefährdungen und die damit verbundenen zusätzlichen Belastungen von Rettungsdiensten und Krankhäusern ist die Rede. „Gerade Pflegekräfte sind in den letzten beiden Jahren erheblichen Belastungen ausgesetzt gewesen“, heißt es in dem Antrag. „Unnötige zusätzliche Belastungen sollten daher vermieden werden.“

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„Dass wir in den nächsten Wochen mit den behördlichen Stellen auf Bundes- und Landesebene die Lage weiter prüfen und dann für die Silvesternacht eine gewissenhafte Entscheidung treffen müssen, steht für uns mit Blick auf die eskalierende Corona-Situation außer Frage“, sagte dazu auch der Fraktionsvorsitzenden der Grünen Bürgerschaftsfraktion Dominik Lorenzen.