Hamburg: Was HIER entsteht, macht viele richtig wütend! „Skandal“

Im Stadtteil Hammerbrook wird viel gebaut (Symbolbild).
Im Stadtteil Hammerbrook wird viel gebaut (Symbolbild).
Foto: IMAGO / imagebroker

Bezahlbarer Wohnraum ist in vielen Großstädten eine Rarität. Auch in der Hansestadt Hamburg ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt seit Jahren angespannt. Vor allem in zentralen Vierteln spitzt sich die Situation immer weiter zu.

Im Zuge des „Housing Action Day“, der am 27. März in Hamburg stattfindet, machen zahlreiche Initiativen und Vereine auf die prekäre Situation aufmerksam.

Hamburg: Mikro-Apartments für 45 Euro pro Quadratmeter

Auf ein besonders umstrittenes Projekt haben die Volksinitiativen „Keine Profite mit Boden & Miete“ am Donnerstag aufmerksam gemacht. Vor dem Aparmenthaus „Neuer Hühnerposten“ am Schultzweg mitten in der City haben sie eine Kundgebung abgehalten und auf die dort herrschenden „Skandalmieten“ aufmerksam gemacht.

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Hier wurde das einst im Eigentum der Stadt befindliche Gebiet 2013 privatisiert und wurde an das Bauunternehmen Otto Wulff verkauft. Anschließend wanderte die Fläche, während bereits darauf gebaut wurde, durch mehrere Hände bis es schließlich im Jahr 2020 an den dänischen Pensionsfond PFA Pension überging.

Insgesamt sind in dem Neubau 353 Mikro-Apartments um die 20 Quadratmeter entstanden. Eigentlich für Studierende und Singles gedacht, doch die Wohnungen kann sich wohl kaum einer leisten. Für bis zu 45 Euro pro Quadratmeter werden die Räumlichkeiten laut der Volksinitiativen auf dem Markt angeboten.

„Dort sind sehr, sehr teure kleine Apartments errichtet worden, die weniger von Studenten genutzt werden können, oder nur von Studenten mit entsprechenden familiären Background, als von Pendlern und Berufstätigen, da diese Apartments eben zu horrenden Preisen vermietet werden“, sagt Paul-Hendrik Mann vom Mieterverein Hamburg gegenüber MOIN.DE.

„In Hamburg wird derzeit viel Wohnraum gebaut, leider zumeist hochpreisig und damit am Bedarf der meisten Hamburger und Hamburgerinnen vorbei. Gebraucht werden ausschließlich preiswerte neue Wohnungen für Familien und wirtschaftlich beengtere Haushalte“, so auch Marc Meyer von Mieter helfen Mietern.

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Finanzbehörde: Verkauf käme heute nicht mehr zustande

Die zuständige Finanzbehörde äußerte sich gegenüber MOIN.DE zu der Sache. „Die Bodenpolitik der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) wurde in den letzten Jahren und vor allem im Jahr 2019 grundlegend reformiert“, heißt es seitens einer Sprecherin der Behörde.

„Aus heutiger Sicht [...] käme heutzutage ein Verkauf eines derart zentral gelegenen Grundstückes nicht in Betracht, sondern vielmehr eine Vergabe im Rahmen eines Erbbaurechts, um als Stadt derart hohe Mieten zu verhindern“, lässt die Behörde mitteilen.

Der Finanzsenator Dr. Andreas Dressel (SPD) sagt zum Thema: „Der Landesbetrieb Immobilienmanagement kauft seit Jahren mehr an, als er verkauft. So können wir im Sinne des Gemeinwohls nachhaltige Flächenpolitik betreiben.“

Durch den Verkauf von Flächen und Objekten würden wichtige Stadtentwicklungsprojekte unterstützt oder beispielsweise die sozialen Erhaltungsverordnungen durchgesetzt. „So sichern wir langfristig bezahlbaren Wohnraum in der Stadt.“

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Die Initiativen wollen auch weiterhin auf die Missstände aufmerksam machen und haben zwei klare Forderungen formuliert: Sie rufen die Stadt zum einen dazu auf, grundsätzlich keine Wohnungen und Grundstücke mehr zu verkaufen.

Bei dem Neubau von Wohnungen setzen sich die Initiativen zudem dafür ein, dass die Stadt langfristig die Mieten niedrig hält und Mietsteigerungen nur in geringem Rahmen durchgeführt werden.