Kiel: Diese Menschen spazierten mitten durch den Tornado, einer von ihnen äußert danach klare Worte

Der Tornado am frühen Abend über Kiel.
Der Tornado am frühen Abend über Kiel.
Foto: picture alliance/dpa | Philipp Brandl

Am Mittwoch vergangener Woche fegte ein Tornado über die Uferpromenade in Kiel. Es war ein Ereignis, dass die komplette Stadt schockte. Mehrere Menschen wurden ins Wasser geweht oder von Gegenständen getroffen und teilweise schwer verletzt (MOIN.DE berichtete).

Noch am gleichen Abend wurde in einer Facebook-Gruppe für Menschen aus Kiel ein Video geteilt, in dem zu sehen ist, wie der Tornado über die Kiellinie zog. Ebenfalls zu sehen: Spaziergänger, die noch seelenruhig am Wasser spazieren gehen.

Kiel: Spaziergänger äußert sich zum Tornado

Das wirkt im Nachhinein, angesichts der Bedrohung, doch ziemlich suspekt. Deshalb hat sich auch einer dieser Spaziergänger unter dem Beitrag zu Wort gemeldet. Er wird deutlich: „Ich kann im Nachhinein nur sagen, dass wir unfassbares Glück gehabt haben.“

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Der Mann erklärt: „So bescheuert das klingt, aber die Windhose kam mit so einer Geschwindigkeit, das sieht man auf dem Video gar nicht und man realisiert es auch in dem Moment nicht.“ Die Gefahr hätten sie erst erkannt, als der Baum hinter ihnen umgefallen sei.

Anschließend sei er, „mit vielen anderen Menschen“, einer der Ersthelfer gewesen, der „bei den Ruderern“ war. Diese waren auf dem Steg von dem Tornado überrascht worden und versuchten noch, zwei Ruderboote aus dem Wasser zu retten.

Erinnerungen an Tornado in Kiel 1973

Auch bei Axel Harms hat das Wetterphänomen alte Erinnerungen geweckt. Der 74-Jährige erlebte am eigenen Leib, wie am 5. Mai 1973 ein Tornado in der Stadt an der Ostsee tobte.

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Wegen plötzlich einsetzenden starken Regens und merkwürdiger Geräusche gingen er und seine Nachbarn damals ins Haus. Nur wenige Augenblicke später habe der Tornado das Mehrfamilienhaus im Stadtteil Hassee von hinten getroffen.

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Das ist Kiel:

  • Kiel ist Landeshauptstadt und auch bevölkerungsreichste Stadt von Schleswig-Holstein
  • Hier leben rund 246.300 Menschen
  • Die Stadt ist ein bedeutender Stützpunkt der Marine
  • Kiel ist bekannt für den Handballverein THW Kiel und den Fußballclub Holstein Kiel
  • Jährlich lockt die Kieler Woche viele Besucher an

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„Das Ganze hat vielleicht zwei, drei Minuten gedauert“, sagte Harms der Deutschen Presse-Agentur. „Aber der Schaden war immens.“

Harms musste seiner neugeborenen Tochter Glasscherben aus dem Gesicht entfernen

Harms wohnte mit Frau und Kind im Obergeschoss des Hauses. Der Tornado sei durch die Küche, den Flur und das Schlafzimmer durch das Wohnzimmer gefegt, erinnert er sich. Seine vier Monate alte Tochter schlief zu diesem Zeitpunkt im Schlafzimmer im Kinderbett.

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„Die Schlafzimmertür hatte einen Glasausschnitt, der natürlich kaputt ging“, sagte er. „Die Scherben sind natürlich ins Kinderbett geflogen.“

Seine Tochter Nicole sei erst wach geworden, als seine Frau und er sich um das kleine Mädchen kümmerten, ihr die Scherben aus dem Gesicht entfernten. „Da sind wir mit der Pinzette dabei gewesen.“

Kiel: Harms und seine Familie hatten Glück

Seine Familie habe den Tornado heil überstanden, auch die kleine Tochter habe keine Schramme erlitten. Im Haus sei es bei einem kaputten Dach und einigen Schäden in der Wohnung geblieben. „Wir haben alle richtig Glück gehabt. Am Bahnhof ist damals ein VW-Bus durch die Luft geflogen.“

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Er hoffe, so einen Tag nie wieder erleben zu müssen. „Also das war wie eine Wiedergeburt. Wenn wir nicht aus dem Garten ins Haus gegangen wären. Wir wären durch die Luft gewirbelt worden.“

Auch damals überraschte der Tornado die Menschen in Kiel

Wie am Mittwoch gab es auch 1973 keine Vorwarnungen. Damals tobte ein Tornado an einem verkaufsoffenen Samstag nachmittags durch die Kieler Innenstadt.

Ein Mensch starb, es gab mehr als 100 Verletzte. Der Sturm richtete Schäden von etwa 15 Millionen Euro an, betroffen waren auch der Kieler Hauptbahnhof und das Werftgelände.

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Schon bevor das Unwetter Kiel erreichte, zerstörte es mehrere Bauernhöfe und knickte Hochspannungsmasten um. (mk mit dpa)