Nordsee: Frau steht vor einem Riesenproblem – es betrifft viele Menschen! „Kaum eine Chance“

Kerstin Haase ist verzweifelt. Und ihr Problem betrifft auch viele andere Menschen an der Nordsee.
Kerstin Haase ist verzweifelt. Und ihr Problem betrifft auch viele andere Menschen an der Nordsee.
Foto: IMAGO / imagebroker & privat

Kerstin Haase hat ein Jobangebot auf Amrum in der Nordsee angenommen. Dennoch ist sie verzweifelt. Denn die 53-Jährige ist nun auf der Suche nach einer Wohnung.

Dabei stößt sie auf ein Problem, das auch viele andere betrifft: Der akute Wohnungsmangel auf den Nordsee-Inseln. Viele Immobilien auf Amrum, Föhr und Sylt halten als Zweitwohnsitz oder Ferienwohnungen her. Für Menschen, die auf den Inseln arbeiten, wird die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft daher zu einer Herausforderung.

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Nordsee-Inseln: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp

Seit mehreren Wochen ist Kerstin Haase bereits auf der Suche nach einer Wohnung für sich und ihren Hund. Dabei hat sie die einschlägigen Angebote immer wieder studiert – ohne Erfolg.

In einer Facebook-Gruppe hat sich Kerstin Haase deswegen an die Gemeinschaft gewendet. Dort schildert sie ihr Dilemma. „Ich zum Beispiel suche eine Wohnung auf Amrum und habe kaum eine Chance auf eine“. Viele Menschen stimmen ihr unter dem Beitrag zu, berichten von ähnlichen Situationen.

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„Amrum gab mir die Möglichkeit, einen Job zu bekommen, jedoch ohne Wohnung. Ich glaube, dass die Amrumer wiederum Schwierigkeiten haben, Personal zu finden, da das Personal nirgendwo wohnen kann“, erzählt die 53-Jährige MOIN.DE.

Manche Arbeitgeber der Insel würden Personalzimmer oder Wohnungen anbieten, doch das sei meistens im Klinikbereich, so Kerstin Haase. Weil sie einen kleinen Hund hat, der mit ihr auf die Insel ziehen soll, sei das keine Option. Eine andere Möglichkeit seien Personalzimmer in Hotels, die seien aber eher jüngeren Leuten vorbehalten.

„Ich möchte nicht auf 35 Quadratmetern leben. Ich möchte eine adäquate Wohnung mit drei oder vier Zimmern, in die ich meinen Hund mitnehmen kann – einfach auf der Insel wohnen und dort mein Geld verdienen“, erzählt sie.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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Nordsee: Welche Lösungen gibt es?

Kerstin Haase hat einen Vorschlag, der die Situation auf der Insel entspannen könnte. So regt sie an, dass Ferienwohnungsbesitzer ihre Unterkünfte dauerhaft zu einem fairen Preis vermieten könnten.

Vor allem, da die Möglichkeit für Urlaube an der Nordsee-Küste in Coronazeiten derzeit völlig ungewiss ist. Auch eine Quote, die vorgeben soll, wie viel neuer Dauerwohnraum entstehen soll, schlägt sie vor.

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Auf der Insel Sylt stand eine solche Quote im Jahr 2015 zur Debatte. Damals einigten sich die Gemeindevertreter auf eine 40/60 Regel. Sie sollte dafür sorgen, dass ein bestimmter Prozentsatz der Geschossfläche eines neuen Hauses als Dauerwohnraum genutzt werden muss und sich der knappe Wohnraum für Insulaner in Zukunft nicht weiter drastisch verringert.

Doch einige Monate später wurde die Regelung wieder gekippt. Nun gilt ein Kompromiss: In Gebäuden, die mehr als 130 Quadratmeter messen, müssen künftig mindestens 60 Quadratmeter als Dauerwohnraum genutzt werden. Für kleinere Immobilien gilt diese Quote allerdings nicht.

Amrum: Keine Quotenregelung auf der Insel

Auf der Insel Amrum schließt der Bürgermeister von Nebel eine solche Regelung ebenfalls aus: „Quotenregelung? Nein. Aber es gibt andere Bestrebungen. Zum Beispiel wird man ein Wohnhaus, in dem bisher nur Dauerwohnen genehmigt ist, hier in Nebel nicht in Ferienwohnungen umwandeln können. Das ist bestehendes Baurecht“, sagt Cornelius Bendixen gegenüber MOIN.DE.

„Grundsätzlich ist es so, dass wir auf der Insel immer nötigen Wohnraum suchen. Das ist wie in Hamburg oder in München, wo auch immer bezahlbarer Wohnraum gesucht wird“, so der Bürgermeister.

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Neben Umfragen oder einem Stiftungsprojekt, das gezielt Dauerwohnraum für Inselbewohner fördert, gebe es weitere verschiedene Ansätze, um Hilfe herbeizuführen.

Nordsee-Inseln: Stiftungen und Genossenschaften fördern Wohnraum

„Der Bedarf für Dauerwohnungen auf der Insel ist hoch“, weiß auch Fritz-Wihelm Pahl, der gemeinsam mit seiner Frau die Amrum-Stiftung ins Leben gerufen hat. Das gelte zum Beispiel auch für Menschen, die ihr Leben lang auf der Insel gearbeitet hätten, eine Wohnung vom Arbeitgeber bezogen hätten, nun aber im Ruhestand und ohne Unterkunft seien.

Im vergangenen Jahr hat die Stiftung den Bau zweier Häuser mit insgesamt sechs Wohnungen in Auftrag gegeben. Sie sollen noch im Sommer 2021 fertiggestellt werden. „Wir haben jetzt schon das Problem, dass wir mehr Bewerber als Wohnungen haben“, sagt Fritz-Wilhelm Pahl MOIN.DE. Seit 1995 fährt das Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen regelmäßig nach Amrum.

Für sie war es an der Zeit, den Inselbewohnern etwas zurückzugeben. „Wir fühlen uns mit der Insel verbunden und sehen das Problem, dass dort viele Wohnungen fehlen. Dann haben wir beschlossen, dass wir einen Beitrag dazu leisten wollen, damit es in Zukunft weitere Wohnungen gibt“, so Pahl.

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Auch die 2014 von Ortsansässigen gegründete Wohngenossenschaft „Üüs aran eG“ – friesisch für „Unser Zuhause“ – hat sich zum Ziel gemacht, mit Neubauten bezahlbaren Wohnraum auf der Insel zu schaffen.

In der Gemeinde Wittdün entstanden so bis 2016 32 neue Wohnungen für Insulaner, darunter auch 14 Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein. Dennoch ist die Lage auf der Insel nach wie vor angespannt. Davon berichten auch lokale Zeitungen und Wohnungssuchende in sozialen Netzwerken immer wieder.

Nordsee-Inseln: Wohnraum wird immer teurer

Jüngste Erkenntnisse aus dem Immobilienmarktatlas 2020 der Landesbausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg (LBS) deuten zudem an, dass sich die Lage auf den nordfriesischen Inseln auch weiterhin zuspitzen wird.

Die Preise für Eigentumswohnungen auf Amrum sind laut LBS von 2018 bis 2020 um 18,6 Prozent von 4920 auf 5833 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Das ist in etwa so viel wie der Preis für eine Hamburger Immobilie in guter Lage. Auch auf der Nachbarinsel Föhr stieg der Preis um 17,5 Prozent.

Für Kerstin Haase geht die Suche derweil weiter. Neben den üblichen Wohnungsanzeigen hat sie auch ein Gesuch in einer lokalen Zeitung aufgegeben. Rückmeldungen darauf hat sie bisher nicht erhalten.

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Es wird sich zeigen, ob sie Amrum bald ihr Zuhause nennen kann. Den weiteren Weg vom Festland aus möchte sie nicht täglich auf sich nehmen. Die Hoffnung auf eine Wohnung auf der Insel hat sie jedenfalls noch nicht aufgegeben: „Auf Amrum könnten wir neu starten, das fände ich sehr schön.“