Sylt: Restaurant-Sterben auf der Insel – und es ist kein Ende in Sicht! „Immenser Verlust“

Sylt: Fünf überraschende Fakten zur Insel

Sylt: Fünf überraschende Fakten zur Insel

Sylt ist eines der beliebtesten Reiseziele in Deutschland. Wir haben fünf überraschende Fakten zur Insel gesammelt.

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Es nimmt einfach kein Ende: Fast wöchentlich schließen auf Sylt alteingesessene, traditionsreiche Restaurants und Bars. Ob „Möller's Anker“, „American Bistro“ oder „Pius Weinbar“ – die Insel ist um einige Betriebe ärmer geworden.

Und noch ist kein Ende in Sicht. Aufgrund der aktuellen Corona-Lage sieht es für viele Gastbetriebe auf Sylt für Weihnachten und Silvester erneut düster aus.

Sylt: „Nicht alle Schließungen waren coronabedingt“

Sie alle kämpften in den vergangenen Monaten gegen die Pandemie. Mit Sicherheitskonzepten, kreativen Lösungen und vielen Kompromissen machten die Wirte das Beste aus der aussichtslosen Lage. Doch bei einigen ist nun für immer Schluss. Sie haben aus unterschiedlichen Gründen die Reißleine gezogen. Doch immer war die Pandemie der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

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Eine Entwicklung, die auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit Sorge verfolgt hat. Im Gespräch mit MOIN.DE spricht Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer der Dehoga Schleswig-Holstein über die Entwicklungen im nördlichsten Bundesland.

„Man kann nicht zu 100 Prozent sagen, dass alle Schließungen coronabedingt waren. Aber die Pandemie hat in den meisten Fällen den berühmten Sargnagel dazugegeben“, berichtet er.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel

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Besonders prekär sei die landesweite Situation aktuell vor Weihnachten. „Aufgrund der täglichen Meldungen über die Corona-Situation beläuft sich die Zahl der Absagen landesweit derzeit auf 80 bis 90 Prozent.“ Das so wichtige und umsatzstarke Weihnachtsgeschäft ist bei vielen Betrieben fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Sylt: Keine Feiern, keine Einnahmen

„Privatpersonen und Firmen sagen reihenweise ihre Weihnachtsfeiern ab. Das ist ein immenser Verlust, weil viele Betriebe in Schleswig-Holstein die Weihnachtsfeiern als Polster für die umsatzschwachen Monate im Januar, Februar und März nutzen. So hätten sie Renovierungsarbeiten oder die laufenden Kosten stemmen können. Das ist landesweit fast völlig weggebrochen“, so Scholtis.

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Seit sich die Regeln wieder weiter verschärfen, ist auch die Zahl der Gäste zurückgegangen. Mit der 3G-Regelung sei man noch ganz zufrieden gewesen, berichtet Scholtis. „Wir haben damals allerdings der Politik zu erkennen gegeben, dass das eigentlich schon das Maximale an Einschränkungen sein darf. Es darf auf keinen Fall ein 2G+ kommen, weil das völlig die Spontanität wegnehmen würde. Das jetzt einzuführen wäre ein Lockdown durch die Hintertür.“

Denn den würden viele Betriebe nicht noch ein weiteres Mal überstehen. Große Sorge macht sich breit, dass noch weitere Mitarbeiter kündigen. „Würden diejenigen, die jetzt noch in den Betrieben sind, sich ebenfalls Jobs in anderen Betrieben suchen, dann wäre das für die Gastronomen gar nicht mehr zu schultern.“ Doch durch den steten Rückgang der Gäste bleibt für das verbliebene Personal oft nicht mehr viel zu tun.

„Das bedeutet, dass auch kleinere Betriebe schließen mussten, wenn sie zum Beispiel nur einen Koch beschäftigt haben. Da ist reihenweise das Personal abgesprungen, bundesweit in einer Höhe von mehreren Zehntausend. Das hat sich zum Sommer hin wieder ein bisschen gefangen. Dennoch bleibt die Sorge bestehen. Das sind richtige Existenzängste.“

Sylt: Prekäre Wohnsituation auf der Insel

In Schleswig-Holstein, besonders auf Sylt und an den Küsten kommt noch die prekäre Wohnsituation hinzu. Vielerorts gibt es nicht genug Unterkunftsmöglichkeiten für die vielen Beschäftigten. „In Teilen ist die Wohnsituation prekär. Vor allem Sylt ist in diesem Hinblick problematisch. Das ist ein ewiger Kampf. Immer mehr Beschäftigte wohnen auf dem Festland und müssen auf die Insel pendeln. Und das bei den Problemen mit der Marschbahn, die es immer wieder gab“, berichtet Stefan Scholtis.

Auch an der Ostsee-Küste sehe das nicht anders aus. Hier berichtet der Dehoga-Geschäftsführer etwa von einem Fall, bei dem ein Betrieb einen Antrag auf Wohnungsbau für Beschäftigte gestellt hat. Dieser wurde von der Gemeinde jedoch abgelehnt – aus Angst vor zu viel Lärm.

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Im Tourismusland Schleswig-Holstein habe das Gastgewerbe einen hohen Stellenwert. „Wenn es das nicht mehr gibt, bricht etwas Elementares weg: Der Kommunikationsort, das Wohnzimmer. Das haben auch alle Bewohner und Gäste bemerkt.“ Für die Zukunft wünscht sich Scholtis vor allem eines: „Man soll uns weiter unsere Arbeit machen lassen.“