Hamburg: 23 Menschen wurden in der Hansestadt schwer verletzt – es hätte leicht vermieden werden können

Die Stadt Hamburg hat bei der Lösung des Problems einen Anfang gemacht.
Die Stadt Hamburg hat bei der Lösung des Problems einen Anfang gemacht.
Foto: imago images/Hanno Bode

475 Verkehrsunfälle passierten allein aus diesem einen Grund vergangenes Jahr in Hamburg. Hochgerechnet auf ein Jahr mindestens einer pro Tag.

„Da muss ganz dringend etwas passieren“, sagt Dirk Lau vom ADFC Hamburg. Er ist beim Fahrradclub für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Hamburg : 23 Personen wurden schwer verletzt

Lau und seine Mitstreiter setzen sich dafür ein, dass Hamburgs Straßen für Radfahrer sicherer werden.

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Rechtsabbiegen hat er daher auf der Agenda. Insgesamt 396 Personen sind wegen fehlerhaftem Rechtsabbiegen in Hamburg vergangenes Jahr verunglückt, 372 Personen wurden leicht verletzt, 23 Personen schwer.

Eine Person wurde getötet.

Ein Blick aus Hamburg nach Berlin

Zahlen für dieses Jahr liegen noch nicht vor. Ein Blick nach Berlin alarmiert jedoch: 14 Personen sind dieses Jahr bereits bei Fahrradunfällen in der Hauptstadt gestorben.

Acht dieser Unfälle wurden laut „Tagesspiegel“ von Rechtsabbiegern verursacht. Der jüngste erst vor wenigen Tagen.

Stadt Hamburg probiert eine Lösung aus

Die Hamburger Behörden kennen die Gefahren des Rechtsabbiegens. Sie haben deshalb vergangenes Jahr ein Pilotprojekt gestartet, bei dem sie städtische Lkw mit Abbiegeassistenten ausstatteten.

Lkw waren 2019 bei rund jedem zehnten Unfall mit Rechtsabbiegen Hauptunfallverursacher.

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Technische Abbiegeassistenzsysteme können helfen, Unfälle zu vermeiden und damit Leben retten, sagt Daniel Schaefer von der Behörde für Inneres und Sport. „Die Systeme sorgen dafür, dass der Lkw-Fahrer auf Personen im sogenannten toten Winkel rechtzeitig aufmerksam wird.“

LkW-Flotte der Stadt Hamburg wird umgerüstet

In diesem Jahr hat die Stadt damit begonnen, die städtische Flotte umzurüsten. Jeder Lkw erhält einen Abbiegeassistenten. Kostenpunkt pro Fahrzeug: 2.500 Euro bis 3.000 Euro.

Die Stadt zieht eine positive erste Bilanz. Gemäß Schaefer ist die Umsetzung auf einem sehr guten Weg, die Systeme werden sehr gut angenommen.

Forderungen für Hamburgs Kreuzungen

Dirk Lau vom Fahrradclub nennt die Abbiegeassistenten einen sehr guten ersten Schritt. „Aber die Stadt könnte noch so viel mehr machen.“

Und das wäre auch alles möglich, so Lau. Er fordert: Lkw ohne Abbiegeassistenten sollten nicht mehr in die Stadt fahren dürfen.

Die Stadt müsste zudem das Kreuzungsdesign ändern, Ampeln hätten dann zum Beispiel andere Grünphasen.

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Die Stadt führe bei diesem Thema gerne wirtschaftliche Interessen an. „Aber wie können diese über Menschenleben stehen?“

Am Ende hätten doch alle das gleiche Ziel, sagt Lau: „Wir wollen sicher von A nach B kommen.“ (kbm)