Hamburg: Mann erforscht altes Haus und macht irren Fund hinter einer Wand – er ist unbezahlbar

Hamburg, meine Perle: Warum die Stadt so einzigartig ist

Hamburg, meine Perle: Warum die Stadt so einzigartig ist

Mit über 1,8 Mio. Einwohner ist Hamburg die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Außerdem kommen rund sieben Mio. Touristen pro Jahr in die Hansestadt. Doch was macht die Stadt so beliebt und einzigartig?

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Die Geschichte um die Wiederentdeckung des wohl ältesten Paternosters der Welt beginnt fast wie ein Indiana-Jones-Abenteuerfilm: Vor vier Jahren entdeckt ein junger Kunsthistoriker mehr oder weniger zufällig bei Recherchen zu einer Uni-Vorlesung ein Stück imposanter Fahrstuhl-Kultur in Hamburg.

Der Doktorand Robin Augenstein stößt in einer Publikation auf einen alten Bauplan des Flüggerhauses, eines historistischen Kontorbaus mit Jugendstilanklängen von 1908. Und entdeckt damit auch einen seit mehr als vier Jahrzehnten hinter einer Verschalung versteckten uralten Paternoster in dem Gebäude in Hamburg wieder.

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Spektakuläre Entdeckung in Hamburg

Aufgeregt sucht der damals 28-Jährige sofort Kontakt zum Mieter und zum Denkmalschutzamt – und kann die zuständigen Leute von seiner Idee überzeugen. „Dann sind wir mit Taschenlampen runter in den Keller gestapft und standen plötzlich vor diesen Zahnrädern“, erinnert sich Augenstein mit noch immer spürbarer Begeisterung. Denn allein die urige Mechanik im Sechs-Etagen-Haus in Hafennähe wirkt geradezu sagenhaft.

Durch sein Engagement ist ein vergessener Paternoster aus seinem Dornröschenschlaf geweckt worden. Und der gilt nun nach seiner Instandsetzung und Restaurierung als der wohl weltweit älteste, original erhaltene Personen-Umlauf-Aufzug.

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Stets schön in Schwung zu bleiben, ist der Daseinszweck eines Personen-Umlauf-Aufzugs. Ohne Unterlass über die Stockwerke eines Gewerbe- oder auch Amtsgebäudes zu rotieren, damit Nutzer jederzeit problemlos zu- und aussteigen können. Geschmeidig gleiten soll dieser Aufzug, wie ein Rosenkranz über die Hand von Gläubigen – darum nennt man ihn auch Paternoster („Vaterunser“).

Zehn elektrobetriebene Zahnräder aus massivstem Stahlguss, eines davon gut 1,50 Meter hoch, bilden die Grundlage für ein System mit zwei dicken, bis ins Obergeschoss parallel laufenden Ketten. An ihnen hängen 14 Kabinen für je zwei Personen aus auf Mahagoni gebeiztem Weichholz. Daraus bestehen auch die dezent ornamentierten Zugangsumrahmungen auf den Etagen.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Hamburg und der älteste Paternoster der Welt

„Hier handelt es sich eher um ein Standardmodell, aber es ist ein besonders schöner und in der Bauform in Deutschland einmaliger Paternoster“, erklärt Augenstein, dessen Promotionsthema der Denkmalwert alter Aufzüge ist. Und er merkt an: „Die meisten der etwa 20 Paternoster, die in Hamburg noch lauffähig sind, haben nicht mehr ihren ursprünglichen Zustand. Oft wurde massives Holz wie Eiche, Mahagoni oder auch Weichholz durch Kunststoff ersetzt. Wodurch Charme und Denkmalwert verloren gehen.“

Als ältester erhaltener Paternoster der Welt läuft der Aufzug des Flüggerhauses nun dem des Wiener Hauses der Industrie von 1910 den Rang ab. Da fügte es sich, dass inzwischen ein Investor, Signa Real Estate, das alte Kontorgebäude gekauft hatte und renovieren ließ. Die Firma war bereit, in Zusammenarbeit mit Behörden und Prüfinstituten auch die Wiederherstellung des Paternosters zu veranlassen. Und die Kosten von einigen hunderttausend Euro zu tragen. So können künftige Mieter, Mitarbeiter und Besucher im Haus nicht nur ein urtümliches Fahrgefühl, sondern auch die Schönheit des mit Majolika-Fliesen ausgekleideten Treppenhauses genießen.

Für die Arbeiten wie den im Januar durchgeführten Ausbau der Kabinen, ihren Wiedereinbau sowie die Restaurierung aller Teile holten die Hamburger eine Spezialfirma aus der Nähe von Stuttgart mit ins Boot. „Zunächst haben wir die Holzverkleidungen ausgebaut, um Verschleiß, Korrosion und schlecht reparierte Teile festzustellen“, sagt deren junger Chef Patric Wagner. „Bei der Gelegenheit haben wir dann doch sämtliche Kabinen mit ihren je 250 Kilo herausgenommen. Fünf Mann waren dafür notwendig - mit elektrischen Kettenzügen und wirklich viel Präzisions- und Gefühlsarbeit. Das war heftig.“

Um etwa die vernieteten Gusskränze der hölzernen Gondeln zu entfernen, habe man selbst die teuersten und besten kobaltbeschichteten Bohrer stumpf werden lassen. Ein 40-Tonner beförderte die Kabinen anschließend nach Aichwald bei Stuttgart, wo sie auf die Richtbank gestellt wurden.

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Hamburg: „Nicht kaputtzukriegen“

Fachkräfte korrigierten, was sich im Laufe der Zeit verzogen hatte und stellten die Fahrgastzellen in ein chemisches Entlackungsbad. Unter vielen Farbschichten kam dabei im Guss noch eine Gebrauchsmusternummer des Deutschen Patent- und Markenamts zutage. Dann wurden die Kabinen sandgestrahlt, nachgeschweißt, grundiert und neu lackiert.

Ihr Wiedereinbau in Hamburg begann Ende Februar, nachdem die Zahnräder und Ketten vor Ort generalüberholt waren. „Die sind so unglaublich kompakt und massiv gebaut. Und bei regelmäßiger Wartung mit Spezialölen auch in Zukunft nicht kaputtzukriegen“, schwärmt Wagner, ein gelernter Maschinenbauer. Er habe sich auch herausgefordert gefühlt, zu zeigen, was man so alles reparieren und damit stilvoll und umweltschonend erhalten könne.

„Momentan haben wir noch einen großen Bauabschnitt, der viel Dreck und die eine oder andere Macke verursachen könnte“, erklärt Wagner. Darum sei das Finish durch einen Holzrestaurator erst für September eingeplant. Denn derzeit ist der Aufzug zwar betriebsfähig - „Es fehlt nichts. So wie er jetzt läuft, lief er immer“, sagt Augenstein über das nur leise surrende Gefährt, das für eine Umrundung aller Etagen vier Minuten braucht.

Doch aufgrund technischer Vorgaben erhalten die Kabinen noch Decken, außerdem werden zwischen ihnen aufwendig sogenannte Schürzen - komplette Hohlraumkabinen - eingebaut. Man soll eben nicht in den Schacht hineinfallen können. Um weiterhin die Sicht auf die alte Technik zu ermöglichen, bestehen die neuen Teile aus Plexiglas.

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„Was dann fertig ist, ist wirklich das Original und nicht etwas Nachgebautes“, urteilt der Kunsthistoriker. Und aus der Hamburger Kulturbehörde heißt es dazu auf dpa-Anfrage: „Mit der Wiederentdeckung und Wiederherstellung des Paternosters im Flüggerhaus konnte ein spannendes Zeugnis der Fahrstuhl-Kultur des frühen 20. Jahrhunderts gesichert und für nachfolgende Generationen erhalten werden. Ein vergleichbarer Vorgang ist zumindest für die letzten zwanzig Jahre nicht bekannt.“

Augenstein erzählt, dass die Hansestadt einst Vorreiter bei den Paternostern war. Um 1900 habe es weit mehr als 100 davon gegeben – wohingegen etwa in Berlin bis in die 20er Jahre wegen eines Verbots der Baupolizei keiner dieser Personenaufzüge eingebaut werden durfte. Heute sind in Deutschland noch rund 200 der 1875 in London erfundenen Paternoster in Betrieb. In Hamburg haben sehenswerte Exemplare auch im Slomanhaus am Hafen und in der Finanzbehörde am Gänsemarkt überlebt.

Persönlich begeistert sich Augenstein vor allem für die Anlagen im Haus des Reichs in Bremen mit ihren Art-Deco-Kabinen aus Mahagoni und im Salamander-Areal in Stuttgart-Kornwestheim.

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Wie all diese Gebäude wird auch das Flüggerhaus nicht zum Hotspot für Paternoster-Fans werden. Denn es ist nicht öffentlich zugänglich – allein Fahrten an einem „Tag des offenen Denkmals“ stellt der Eigentümer in Aussicht. Aufgrund amtlicher Bestimmungen müsste sich jeder Benutzer dann eine Einweisung in das richtige Fahrgastverhalten gefallen lassen.

Dabei dürfte jedoch kaum noch gelten, was ein Metallschild an der Holzverkleidung besagt: Die Geldstrafe bei Zuwiderhandlung müsse in Goldmark gezahlt werden. (dpa)