Landtagswahl MV: CDU-Spitzenkandidat macht Urlaub im eigenen Land und erlebt dabei DAS – „Größte Sorge“

Michael Sack, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, auf der neuen Seebrücke im Ostseebad Koserow.
Michael Sack, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, auf der neuen Seebrücke im Ostseebad Koserow.
Foto: picture alliance/dpa | Stefan Sauer

Michael Sack macht vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern (MV) Urlaub im eigenen Land. Seit Mitte Juli ist der Landrat des Landkreises Vorpommern-Greifswald in Städten und Dörfern im Nordosten unterwegs, redet mit Menschen, hört ihnen zu, stellt sich vor. Der Spitzenkandidat der CDU steckt mitten im Wahlkampf.

So richtig rund will es für die CDU gemäß Umfragen vor der Landtagswahl in MV allerdings nicht laufen. Mit MOIN.DE hat Michael Sack kurz vor der Wahl am 26. September über die drängenden Themen im Land, die Sorgen der Menschen und seinen Wahlkampf gesprochen.

Landtagswahl MV: „Es wird nicht gelingen, hier alles mit Bus und Bahn zu machen“

Herr Sack, Sie haben für den Wahlkampf drei Monate Urlaub genommen. Sie haben früh begonnen, sind durch's Land gereist. Wie war diese Zeit? Hat Sie etwas überrascht?

Das war der spannendste Urlaub, den ich je hatte. Eine sehr interessante, aufschlussreiche Zeit. Ich habe unglaublich viele Menschen kennengelernt. Es ist interessant, an wie vielen Stellen wir doch auch vorne mit dabei sind. Es sind auch sehr viele Türen aufgegangen. Die Menschen wollten mit mir reden über ihre Sorgen und Erwartungen.

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Was sind die größten Sorgen der Menschen?

Die größte Sorge ist, dass wir in eine sehr hektische, kurzfristige Politik kommen, obwohl wir doch sehr epochale Veränderungen vornehmen werden. Der Klimaschutz ist ein großes Thema. Als Flächenland haben wir sehr viele Pendler, die aufs Auto angewiesen sind. Es wird nicht gelingen, hier alles mit Bus und Bahn zu machen.

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Das ist Michael Sack:

  • Michael Sack wurde am 9. August 1973 in Demmin geboren.
  • Er absolvierte erst eine Lehre als Bauzeichner und dann ein Studium als Diplom-Bauingenieur. Später ließ er sich noch zum Berufsschullehrer ausbilden.
  • 2010 begann seine politische Karriere als Bürgermeister der Stadt Loitz.
  • Michael Sack ist heute Landrat im Landkreis Vorpommern-Greifswald und Landesvorsitzender der CDU Mecklenburg-Vorpommern.
  • Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Und die Erwartungen?

Ich habe sehr viele Menschen erlebt, die gesagt haben, sie seien hergezogen, weil es ein sehr schönes Land ist. Mit dem saubersten Wasser und der schönsten Natur. Wo sie ihre Kinder gut großziehen können.

Die Überlegung, nach MV zu ziehen kann aber womöglich schon daran scheitern, dass es keine gute Internet- oder Mobilfunkverbindung gibt. Die CDU regiert seit 15 Jahren mit. Was lief da schief?

So wichtig wie Wasser und Strom ist für jedes Haus eine Breitbandleitung. Wir sind intensiv dabei, das Glasfasernetz zu legen. Das wird noch eine Zeit brauchen. Es gab von der CDU-Landtagsfraktion eine App, bei der man Mobilfunklöcher melden konnte. Wir haben dadurch festgestellt, dass wir noch sehr große Löcher haben und ein millionenschweres Förderprogramm aufgelegt.

Allerdings hat der SPD-Minister bisher nur geprüft und nichts umgesetzt. Ab 2025 werden die ersten Masten gebaut werden können. Das ist natürlich ein deutlicher Wettbewerbsnachteil gegenüber den Ballungsräumen.

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Dort ist es auch einfacher auf Autos zu verzichten. Welche Lösungen schweben Ihnen für das Pendlerland MV vor?

Bis auf Rostock ist bei uns alles ländlicher Raum. Den Autoverkehr zu reduzieren mag in der Stadt genau der richtige Weg sein, aber wir haben hier Anspruch auf gleichwertige Lebensverhältnisse. Es wird das Ziel sein, neue Energiequellen stärker erschließen hin zu Elektromobilität und Wasserstoff. Das ist eher der Weg, den wir gehen müssen. Sonst leben im ländlichen Raum irgendwann nur noch Rentner.

Windparks hingegen wird man nicht mitten in der Stadt bauen. Wie stehen Sie zum Bau weiterer Windräder in MV?

Wir werden nicht drumherum kommen, Photovoltaik und Windkraft auszubauen. Es muss aber klar zum Vorteil derer sein, die es vor der Tür haben. Wer vor seinem Haus eine Anlage hat, muss dafür belohnt werden. Denn das ist nicht angenehm. Das muss sich im Wohlstand der Gemeinde wiederfinden. Wir haben hier Stromnetze ausgebaut. Das schlägt sich auch in den hohen Strompreisen hier nieder.

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Landtagswahl MV:

  • Am 26. September 2021, am Tag der Bundestagswahl, ist in MV auch Landtagswahl.
  • Die letzte Landtagswahl in MV war am 4. September 2016.
  • Stärkste Partei wurde 2016 die SPD (30,6 Prozent). Sie koalierte mit der CDU (19 Prozent).
  • Die AfD zog mit 20,8 Prozent ins Parlament ein, die Linke kam auf 13,2 Prozent. Die Grünen holten 4,8 Prozent, FDP und NPD jeweils 3 Prozent.
  • Erwin Sellering wurde 2016 als Ministerpräsident bestätigt. Er zog sich 2017 krankheitsbedingt aus der Politik zurück.
  • Seit 4. Juli 2017 ist Manuela Schwesig (SPD) Ministerpräsidentin von MV.

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Bei den Löhnen ist MV Schlusslicht. Warum sind Sie gegen einen Mindestlohn?

Durchschnittliche Löhne erheben Sie nicht durch Anheben des Mindestlohns, sondern durch mehr Industriearbeitsplätze. Deshalb sind wir Schlusslicht in Deutschland. Das sind die gut bezahlten Jobs. Und davon haben wir kaum welche. Und wir sind Schlusslicht beim Export. Den Mindestlohn verhandelt eine Kommission, die besetzt ist von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Die Politik muss sich da raushalten. Wir müssen schauen, dass die Mindestlöhne steigen, aber nicht politisch motiviert. Wir müssen es schaffen, die Werften und Zulieferer zu sichern. Das ist die große Branche, die wir haben.

Ein weiterer Knackpunkt: Bildung: MV steuert auf einen massiven Lehrermangel zu. Wie kann es gelingen, dass mehr junge Menschen Lehrer werden wollen in MV?

Indem die, die heute Lehrerinnen und Lehrer sind, gerne zur Schule gehen und diesen Spaß rüberbringen. Ganz häufig höre ich, dass die 27 Stunden Unterricht nicht das Problem sind, sondern wenn Lehrerinnen und Lehrer Hilfepläne schreiben müssen für einzelne Kinder.

Dieser ganze bürokratische Kram drum herum oder abends um 22 Uhr noch mit Eltern telefonieren. Das ist eine Belastung, die weit über 40 Stunden Arbeitszeit hinausgeht. Wir müssen die Lehrer wieder Lehrer sein lassen. Ich war selber Berufsschullehrer. Ich kenne den Schuldienst von innen heraus.

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Sie waren selber auch zum Studieren in einem anderen Bundesland. Sind aber zurückgekommen, während viele anderen Jungen weggehen. Was hat Sie damals zu diesem Schritt bewogen?

Ich habe erst eine Lehre gemacht, dann Abitur und habe dann in Thüringen studiert. Ich war unglaublich gerne in Thüringen. Ich habe heute noch viele Freunde dort. Aber um das Jahr 2001 herum sind sehr sehr viele junge Leute aus MV weg. Da wo alle weggehen, da gehe ich hin, dachte ich mir. Denn dort gibt es viel zu tun.

In den Umfragen steht die CDU gerade nicht gut da. Über die Hälfte der Befragten sagte kürzlich, sie würden Michael Sack nicht kennen. Was würden Sie heute in der Kampagne anders machen?

Dreiviertel der Zeit war kein Kontakt möglich. Ich konnte niemanden treffen. Ich konnte keinen von meinen Wahlideen überzeugen. Es war überhaupt nicht möglich, auf Augenhöhe zu kommen mit Manuela Schwesig, die sehr omnipräsent war und auch keine Talkshow ausgelassen hat.

Ich hätte im Nachhinein nichts anderes machen können. Lange Zeit hatten die Menschen gar keine Lust auf Wahlkampf. Ja und dann fragen sie sich: Wer ist denn Michael Sack?

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Und wer ist Michael Sack?

Ein engagierter Politiker aus MV, der das Land von der Pike auf kennt, in der Kommunalpolitik groß geworden ist, als Bürgermeister, Kreistagsmitglied und -präsident, jetzt als Landrat. Jemand der weiß, was die Menschen im Land bewegt. Denn das Leben findet in den Dörfern und Städten statt, nicht in Landtag und Staatskanzlei. Das war jetzt Michael Sack-Werbeblock. Lacht