Rügen: Unglaubliche Details aus der Insel-Geschichte – „Da geht es immer um Mord“

„Orte sichtbar machen, die schon lange nicht mehr existieren“, heißt das Ziel von Nordpfeil Rügen.
„Orte sichtbar machen, die schon lange nicht mehr existieren“, heißt das Ziel von Nordpfeil Rügen.
Foto: Martha Feustel & Nordpfeil Rügen

Die Geschichte der Insel Rügen ist die große Leidenschaft der beiden Hobby-Historiker Denny Neumann und Andrea Werner. Besser bekannt ist das Paar unter dem Namen „Nordpfeil Rügen“. Auf ihrer Facebook-Seite teilen beide spannende Einblicke in die Insel-Vergangenheit.

Mittlerweile können Urlauber und Einheimische die Beiträge nicht nur lesen. Seit dem Sommer bieten die zwei Wahl-Insulaner auch Führungen an, bei denen sie die Geschichte direkt vor Ort auf Rügen erzählen.

Rügen: Spurensuche auf der Insel

Das Spezialgebiet von Denny Neumann ist das Volk der Slawen, das sich im siebten und achten Jahrhundert auf der Ostsee-Insel angesiedelt hat. Über den Fernhandel, der damals aufblühte, erlangten die Menschen beachtlichen Reichtum.

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Die Slawen haben jede Menge Relikte auf Rügen zurückgelassen. Denny Neumann und seine Freundin gehen diesen auf den Grund. „Orte sichtbar machen, die schon lange nicht mehr existieren“, lautet die Motivation der beiden (MOIN.DE berichtete).

Weil ihre bisherige Arbeit gut ankam, fingen sie im Sommer an, eine Führung zu konzipieren. Zunächst liefen sie die Strecke mit Freunden und Bekannten ab. Wichtig war Denny Neumann, dass sein Programm auf „auch für Leute, die nicht in dem Stoff stecken“ interessant ist.

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Das ist Rügen:

  • Insel vor der Ostseeküste Vorpommerns
  • Flächengrößte und bevölkerungsreichste Insel Deutschlands
  • Etwa 77.000 Menschen leben hier
  • Auf der Insel gibt es 100 Sonnenstunden pro Jahr mehr als in München
  • Neben Stränden gibt es auf Rügen auch viele Naturschutzgebiete

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Im August machte „Nordpfeil Rügen“ offiziell Werbung für die Führung. Schon bald trudelten erste Nachfragen ein. Im September ging es dann los – mit vollem Erfolg. Der Andrang war groß, sodass die beiden ihre Führung im regelmäßigen Rhythmus von zwei bis drei Wochen anboten.

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Opfergaben oder Massaker auf Rügen?

Dass seine Leidenschaft auch bei anderen Menschen Begeisterung weckt, hat Denny Neumann positiv überrascht. Besonders interessiert zeigen sich die Besucher am Standort des ehemaligen Svantovit-Tempels.

„Da geht es immer um Mord“, berichtet Denny Neumann. An der Stelle seien zahlreiche Skelette von Tieren und Menschen gefunden worden. Zunächst vermutete man, dass es sich um Opfergaben handelte.

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Spätere Quellen sprechen von einem gewaltigen Massaker. „Da kommen immer viele Fragen“, lacht der Experte. Sein Publikum ist bunt durchmischt. Es sind sowohl Einheimische als auch Urlauber aus Süddeutschland dabei gewesen.

Silberschatz auf Rügen

Das Feedback sei durchweg gut, vielen Teilnehmer hätten die Führung anschließend auch weiterempfohlen. Im Gespräch mit den Leuten kann der Hobby-Historiker selbst viel dazulernen.

Beispielsweise über den Silberschatz von Rügen. Diesen fand man in der ehemaligen Handelssiedlung Ralswiek. Über 2.000 Gramm persische und arabische Münzen lagerten unter der Erde. Ein Zeichen des damaligen Wohlstandes.

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Denny Neumann kam sowohl mit einem Mann ins Gespräch, die bei der Ausgrabung dabei war als auch mit einem Insulaner, der heute auf dem Grundstück wohnt. Aus einem Foto, das er gezeigt bekommen hat, geht hervor, dass man auch einen Armreif im Silberschatz gefunden hatte.

Rügen-Experte lernt selbst dazu

Ein weiterer Führungsteilnehmer konnte den Hobby-Historiker über einen Kamm aufklären, der er während der Führung zeigt. „Ich habe mich schon immer gewundert, warum er so feine Zähne hat“, erzählt er MOIN.DE. Die Lösung: Es handelt sich um einen Läuse-Kamm.

„Mit den Leuten ins Gespräch zu kommen finde ich immer spannend“, sagt er. Seit Ende Oktober gibt es weniger Führungen. Die Zeit nutzt der Wahl-Insulaner zum Recherchieren und Verfassen neuer Beiträge – sowie zum Schiemden neuer Pläne.

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Einige Führungsteilnehmer hätten angemerkt, dass sie nicht mehr gut zu Fuß seien und die Strecke durch den Wald nicht bewältigen können. Aus der Führung soll deshalb auch ein Vortag werden, „damit die Leute sich das im Sitzen anhören könnten“.

Zum Jahreswechsel, wenn wieder mehr Urlauber auf Rügen erwartet werden, will „Nordpfeil Rügen“ die Führungen wieder aufnehmen und damit noch mehr Insel-Fans Einblicke in die aufregende Vergangenheit ihres Sehnsuchtortes gewähren.