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„Mein Schiff“: Tui im Visier beim „ZDF Magazin Royale“ – die Erkenntnisse werden einige schockieren

„Mein Schiff“: Tui im Visier beim „ZDF Magazin Royale“ – die Erkenntnisse werden einige schockieren

Kreuzfahrten: Urlaub auf hoher See

Von Jahr zu Jahr stechen mehr Touristen in See. Kreuzfahrten werden weltweit immer beliebter. Auch immer mehr Deutsche machen Urlaub auf hoher See.

Mit seinen Investigativen Recherchen deckt Jan Böhmermann erneut dunkler Vergangenheiten im „ZDF Magazin Royale“ auf. Es ist die 50. Ausgabe, in der nun die „Mein Schiff“-Flotte, bessergesagt der Konzern Tui selbst ins Visier gerät.

Die aufgetauchten Vorwürfe könnten Fans und Passagieren der „Mein Schiff“-Dampfer nicht gefallen. Schließlich hängt der Konzern auch über dem Teil der Firma, der die Kreuzfahrtsparte betreut. Alles läuft unter einem Dach.

„Mein Schiff“: Tui im Visier von Böhmermann

Mit seinen Aufdeckungen trifft Jan Böhmermann erneut einen Nerv, wie schon zuletzt bei den Skandalen um Fynn Kliemann (hier mehr erfahren). Diesmal nimmt er allerdings die Machenschaften von Tui unter die Lupe. „Tui ist der größte Reisekonzern der Welt“, leitet Jan Böhmermann ein, bevor er direkt zu seinen Vorwürfen kommt.

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Durchatmen können Fans der „Mein Schiff“-Flotte aber direkt einmal – denn Böhmermann findet im Grunde nichts Neues heraus, trägt nur alte Informationen zusammen. Vielmehr werden heiß debattierte Themen nochmal ans Licht gebracht. Dass Tui eine Verbindung zu einem russischen Oligarchen hat, war beispielsweise kein Geheimnis.

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Daten und Fakten zu „Mein Schiff“:

  • Insgesamt sieben Kreuzfahrtdampfer zählen zur „Mein Schiff“-Flotte der Reederei Tui Cruises
  • Die gesamte „Mein Schiff“-Flotte fährt unter der Flagge von Malta, daher gibt es auch keine Umsatzsteuer an Bord
  • Die Reederei hat ihren Firmensitz in Hamburg
  • Bis voraussichtlich 2026 sollen drei neue „Mein-Schiff“-Kreuzer gebaut werden
  • Insgesamt ca. 6.980 Besatzungsmitglieder sind an Bord der Schiffe für Tui Cruises im Einsatz

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Russischer Oligarch als Anteilnehmer von „Mein Schiff“-Konzern Tui

Alexej Mordaschow ist die Person, auf die hier hingewiesen wird. Der hing bis kurz nach dem Einmarschieren Russlands in die Ukraine am 24. Januar in der Tui AG und hielt dort mit 34 Prozent einen großen Anteil in den Händen. Im Februar 2016 war er als Aufsichtsrat eingestiegen, nachdem er vorher schon Großaktionär war. Nach den EU-Sanktionen hat er schnell noch einen Großteil seiner Anteile verkauft – jedoch an die Firma seiner eigenen Ehefrau. „Was für ein seriöser Business-Move“, sagt Böhmermann dazu.

Im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise engagierte sich die Reederei zudem mit der Stiftung „Helping Hands for Ukraine“. Das Geld will Tui nach eigenen Angaben nach dem Spenden der Menschen verdoppelt haben. Jan Böhmermann hält die Stiftung auf der einen Seite, die Anteile durch den russischen Oligarchen auf der anderen Seite für eine Doppelmoral, die Tui Cruises hiermit fahre. Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang: In der Corona-Pandemie erhielt Tui ein Rettungspaket von 4,3 Milliarden Euro, um vor der Insolvenz gerettet zu werden.

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„Mein Schiff“: Tui im Regen der Vorwürfe

Das zweite Thema, dass Böhmermann hervorkramt: Im Jahr 2020 soll Tui mehr als 30 Flüge im Auftrag des britischen Innenministeriums innerhalb von zehn Monaten durchgeführt haben – Abschiebeflüge.

Auch der Vorgänger von Tui, Preussag AG, wird hochgeholt. Das damals schon bestehende Tui wurde im Jahr 2002 von der Preussag AG gekauft. Diese wurde 1923 gegründet und verdiente zunächst mit Kohle, Erdgas und Stahl ihr Geld. Der höchste Gewinn ihrer Geschichte sei jedoch durch ein dunkles Geschäft der Firma verdient worden: Sie sollen die Bomben gebaut haben, die am ersten Kriegstag des zweiten Weltkriegs auf Polen fielen.

Dazu soll die Preussag AG auch an Kriegsverbrechen im Irak beteiligt gewesen sein. So seien unter anderem tonnenweise Chemikalien für die Herstellung von Nervengas geliefert worden. Der schlimmste Giftgaseinsatz seit dem ersten Weltkrieg folgt – eine irakische Stadt wurde bombardiert, etwa 5.000 Menschen, darunter ausschließlich Zivilisten, auch Frauen und Kinder, starben.

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Nicht nur Material, auch Teile der Anlagen in denen Giftgas gemacht wurden seien von der Firma hergestellt worden. „Es wurde zwar immer behauptet, dass in den Anlagen Mittel zur Schädlingsbekämpfung hergestellt wurden, aber wir können davon ausgehen, dass der Preussag AG bewusst war, wofür sie wirklich eingesetzt wurden“, sagt Dastan Jasim, Politikwissenschaftlerin im „ZDF Magazin Royale“ darüber.

Das „ZDF Magazin Royale“ habe auf Anfrage erfahren, dass Mitarbeiter der Preussag AG tatsächlich gemeinsam mit der Firma Water Engineering Trading GmbH „vorwerfbare Lieferungen“ in den Irak vorgenommen hätten. Der Arbeitgeber hätte von den Machenschaften seiner Mitarbeiter aber nichts gewusst und diese unverzüglich entlassen.

Aras Abid hat den Giftgasanschlag im Irak überlebt, dabei jedoch 26 Verwandte verloren. In der Sendung sagt er in einem Video: „Es ist eine Schande, dass Deutschland und die deutsche Bevölkerung zu der Mitschuld dieser Firmen am Giftgasanschlag in Halabja schweigen.“

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„Mein Schiff“-Flotte im Fokus – auch hier stehen Vorwürfe im Raum

Auch die Kreuzfahrtsparte selbst steht zuletzt noch im Fokus der „ZDF Magazin Royale“-Ausgabe. So wird nochmal die Klimakrise hervorgehoben.

Tui Cruises rühmt sich damit, dass der CO2-Ausstoß im Vergleich vom Jahr 2018 auf 2019 um 7,87 Prozent pro Passagier gesunken sei. „Insgesamt sind die klimaschädlichen Abgase der Tui Cruises-Schiffe gestiegen. Innerhalb von einem Jahr um fast 11 Prozent“, betont Böhmermann. Die Emissionen steigen, weil immer mehr der Schiff auf den Gewässern unterwegs sind.

>>> Hier geht es zur gesamten Folge „ZDF Magazin Royale“. (lfs)