Lübeck: Hund wird in einem Tierheim abgegeben – was dann passiert, rührt zu Tränen

Die Begegnung mit Hund „Beule“ im Tierheim in Lübeck prägte Elena.
Die Begegnung mit Hund „Beule“ im Tierheim in Lübeck prägte Elena.
Foto: IMAGO / Lobeca, privat (Montage MOIN.DE)

Schon seit vielen Jahren engagiert sich Elena Cujic für den Tierschutz. Inzwischen ist sie Leiterin des Tierheims in Lübeck. Ein Ereignis aus ihrer Anfangszeit dort hat ihr Leben nachhaltig verändert.

Einst stand ein Frauchen mit ihrem blauen Pitbull vor der Tür des Tierheims in Lübeck. Zwei Jahre vorher hatte sie den Hund adopiert. Doch weil sie einen schweren Schicksalsschlag erlitten hatte, musste sich die Frau zu diesem Schritt entscheiden. Zunächst versprach sie, den Pitbull mit dem Namen „Beule“ wieder abzuholen. Doch es kam anders.

Lübeck: Hund bleibt zunächst in Tierheim

„So blieb die blaue Kanonenkugel bei uns“, sagt Elena. Schon damals habe sie selbst überlegt, den Pitbull zu adoptieren. Doch die Vernunft hielt sie davon ab.

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Am Neujahrstag 2019 dann kam ein Mann ins Tierheim, der Beule adoptieren wollte. „Irgendwie passten sie gut zusammen und so nahmen die Dinge ihren Lauf“, erinnert sich Elena. Schon damals wirkte der Mann jedoch „zwielichtig“ auf sie – und sie sollte rechtbehalten.

Lübeck: Hund und neuer Halter in Schwierigkeiten

„Bei seinem neuen Herrchen kam es zu einem Beißvorfall aufgrund von Dummheit und Beule geriet in Schwierigkeiten“, erzählt Elena. Doch auch das Herrchen bekam Probleme und musste ins Gefängnis.

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„Schnell wurde klar, dass Beulchens neuer Halter ungeeignet war, den blauen Revolver sicher durchs Leben zu führen“, sagt Elena. Und so kam es, wie es kommen musste: Sie selbst adoptierte den Pitbull.

Rückblickend bezeichnet sie diese Zeit als die größte Herausforderung ihres Lebens. Sie machte einen Deal mit dem Veterinäramt, unter der Voraussetzung, dass den Hund durch den Wesenstest bringt. Doch das war noch nicht alles.

Lübeck: Das Leben mit Beule wird zur Herausforderung

Außerdem musste Elena „die Wogen mit der Familie glätten, deren Hund Beule verletzt hat.“ Gerade finanziell war das alles andere als einfach.

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Das ist Lübeck:

  • Flächenmäßig ist Lübeck die größte Stadt Schleswig-Holsteins
  • Das geschlossene Stadtbild wurde 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt
  • Die Hansestadt zählt 1800 denkmalgeschützte Gebäude
  • Lübeck zählt rund 220.000 Einwohner

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Nur durch großartige Unterstützung und einem Spendenaufruf wurde es möglich, den Wesenstest und den Ausgleich der Tierarztrechnung zu bezahlen.

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Unter „vielen Tränen vor Freude und Kummer, arbeiteten wir Tag für Tag daran, dass der klobige Rüpel sich wie ein normaler Hund benimmt“, erinnert sich Elena. Denn bei diesen Herausforderungen sollte es nicht bleiben.

Lübeck: „Es war ein Kampf, für ihn und für mich“

Schnell stellte sich heraus, dass Beule ein ständiges triebhaftes Verhalten zeigte, ungesund auf Objekte fixiert war und es auf Katzen, Reifen und Fahrräder abgesehen hatte. „Es war ein Kampf, für ihn und für mich“, erinnert sich Elena.

Und dann kam der Tag des Wesentests: „Ich fühlte mich wie beim russischen Roulette.“ Zwar wusste sie, dass Beule es schaffen kann. „Aber was ist schon sicher und was heißt Können?“

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Nach fünf Stunden die Erleichterung: „Wir hatten bestanden und ich war so stolz auf ihn, dass ich vielleicht doch auch kurz ein bisschen weinen musste.“ Dennoch war auch danach klar, dass Beule nicht ohne Maulkorb und Leine die Welt erkunden darf.

Lübeck: Beule wird fast zum normalen Hund

Und so arbeitete Elena weiter mit Beule. Irgendwann konnte er sogar wieder mit anderen Hunden spielen. „Er war für einen kurzen Moment ein ganz normaler Hund“, erinnert sie sich.

Doch die Fokussierung auf Objekte und Geräusche blieb. Irgendwann wurde es sogar noch schlimmer: „Er fing an, gegen Wände zu laufen und sich mit den Pfoten etwas vom Kopf wischen zu wollen.“

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Und diese „Anfälle“, wie Elena sie nennt, häuften sich. Also machte sie einen Termin für eine Computertomographie beim Tierarzt.

Lübeck: Hund hat einen Tumor im Kopf

Schon vorher stand für sie fest: „Wenn da etwas in seinem Kopf ist, was da nicht hingehört, wecke ich ihn nicht wieder auf.“

Denn für sie sei es weder Tierschutz, noch Liebe, einen Hund am Leben zu erhalten, der Schmerzen hat und eine unberechenbare Gefahr für sich und seine Umwelt darstellt.

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Wie sich dann herausstellte, litt Beule an einer wohl angeborenen Asymmetrie in seinem Hirn, die weitere Asymmetrien auslöste. Außerdem wuchs im Kopf des Hundes ein Tumor.

Lübeck: Kritik an der Züchtung der Hunde

Die Gründe dafür sieht Elena in der Züchtung. „Man kann aus einem kranken Genpool nichts Gesundes sieben, Blau ist keine Farbe, es ist ein Gendefekt “, sagt Elena.

Denn Beule entstammte einer Qualzucht und litt zudem unter Brachycephalie, einer Kurzköpfigkeit. „Solche Hunde werden häufig mit Gehirnfehlbindungen geboren.“

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Ein weiterer Kritikpunkt von Elena: „Laut Tierschutzgesetz ist die Zucht solcher Tiere verboten.“ Und so kann sie nicht verstehen wie „Listenhundlover“ die Krankheiten solcher Hunde romantisieren und als normal abtun können.

Lübeck: Hund Beule hat Elena bis heute geprägt

Wütend sagt sie: „Als Beule vom Tisch in den Plastiksack glitt, musste ich an die Anderen denken, die sein Schicksal teilten. Wie viele werden noch im Plastik verschwinden, wie viele werden jeden Tag weggeschwiegen?“

Sie ist sich sicher: „Solange keine Einsicht erfolgt und diese Genetik weitergefördert wird, weil die Optik und der Preis stimmen, wird Kummer und Leid der ständige Begleiter bleiben.“

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Und mindestens genauso sicher ist für die, dass Beule für immer in dem weiterleben wird, was sie tut. „Sein Vermächtnis ist groß. Er hat mich geprägt, gelehrt und mir in extremen Zeiten beigestanden.“

Mehr zu Elena und ihrer Arbeit mit Hunden aus dem Tierheim Lübeck kannst du >> hier nachlesen.